Game Designer sind Meister der Motivation. Was würde resultieren, wenn Game Designer zwischendurch mal statt einem Spiel ein Bildungssystem designen würden? Spiele bestehen aus vielen Elementen, welche Anreize setzen. Spielerinnen und Spieler haben zwar Entscheidungsfreiheiten, letztlich verhalten sich die meisten von ihnen in der von den Game Designern gewünschten Weise (zumindest bei gut designten Spielen). Beim Fussball setzt die Abseitsregel Anreize, damit die Spieler einer Mannschaft nicht vor dem gegnerischen Tor auf einen langen Ball lauern, sondern stattdessen das Spiel sorgfältig aufbauen. Bei Farmville werden die sozialen Interaktionen verstärkt, indem das gegenseitige Helfen (geringfügig) belohnt wird. Selbst bei Civilization zwingt niemand die Spielenden, viele neue Städte zu bauen, doch die Anreize führen unweigerlich zum Bau möglichst vieler Städte.
Bei anderen Systemen spielen Anreize ebenfalls eine wesentliche Rolle, so auch beim System Schule. Prüfungen und Noten beispielsweise setzen Anreize, damit Schülerinnen und Schüler lernen. Allerdings setzen sie auch Anreize, nur kurzfristig auf eine Prüfung zu lernen. Allfällig vorhandene intrinsische Motivation wird tendentiell durch extrinsische überlagert. Game Designer würden dies wohl als schlechtes Design einstufen.
Trotz der vermutlich falsch gesetzten Anreize gelingt es engagierten Lehrpersonen, die Schülerinnen und Schüler für eine Aufgabe oder ein Thema zu motivieren. Doch viele Schülerinnen und Schüler sind mässig motiviert, schulische Aufgaben zu lösen oder der Lehrerin zuzuhören. Shantanu Sinha, der Präsident der Khan Academy, meint in The Huffington Post:
«If we build a game in which someone is demotivated or disengaged for 45 seconds, we know we need to improve.»
Es wäre spannend zu sehen, wie Game Designer ein Bildungssystem bauen würden, in dem möglichst alle Spielerinnen und Spieler Schülerinnen und Schüler motiviert wären zu lernen. Einige Ansätze gibt es, einzelne Schulen zu gamifizieren, etwa Quest2Learn in New York City oder ChicagoQuest. Am Konzept der Schulen war die bekannte Game Designerin Katie Salen massgeblich beteiligt. Doch beide Schulen sind an das Schulsystem gebunden und die dortigen Schulabgänger müssen genormte Vorgaben erfüllen. Insofern hatte Katie Salen nur beschränkte Freiheiten bei der Gestaltung.
Vor einiger Zeit hatte ich mal einen groben Entwurf eines gamifizierten Schulsystemes gemacht – allerdings ohne jegliche Kenntnisse im Designen von Spielen. Es wäre spannend zu sehen, wie ein Bildungssystem aussehen würde, das gemeinsam von fortschrittlichen Pädagogen und erstklassigen Game Designern entworfen wäre.