Nebst Virtueller Realität (Virtual Reality), Erweiterter Realität (Augmented Reality), Künstlicher Intelligenz und dem Internet der Dinge gehört die Blockchain zu den informatischen Technologien, denen eine grosse Zukunft prognostiziert wird. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl an Diensten, die auf die Blockchain aufsetzen. Einige davon verorten sich im Bildungskontext.
Blockchain im Bildungswesen
Der Blockchain wird disruptive Energie zugeschrieben, gerade auch im Bildungswesen. In diesem Video wird die Blockchain gut erklärt.
Die Blockchain dokumentiert Transaktionen so, dass die Dokumentation im Nachhinein nicht veränderbar ist. Daran gekoppelt sind typischerweise Funktionalitäten, die die Transaktionen durchführen. Zusammen ergibt das gesicherte Transaktionen. Das klingt erstmal nicht nach einer grossen Sache. Aber diese Verlässlichkeit von Transaktionen, die mit Hilfe der Blockchain ermöglicht wird, gewährleisten bislang Institutionen. Banken gewährleisten verlässlich eine Geld-Transaktion. Und Bildungsinstitutionen dokumentieren mit Zeugnissen und Diplomen einen Lernzuwachs, quasi eine “Bildungstransaktion” vom Lehrenden zum Lernenden. Diese Terminologie missfällt mir aus verschiedenen Gründen. Aber da das messbare Ergebnis nun mal in diesen Papieren festgehalten und diese Papiere gesellschaftlich relevant sind, können die Prozesse in Bildungsinstitutionen so verkürzt beschrieben werden. Theoretisch bräuchte es somit im Zeitalter von Blockchain-basierten Anwendungen weder Banken noch Bildungsinstitutionen.
Wie sieht das in der Praxis aus, Stand anfangs Juni 2018? Blockchain-basierte Dienste können allerlei Transaktionen durchführen. Welche Ansätze gibt es? Ich habe mich mal umgesehen, welche Blockchain-basierten Dienste versuchen, sich im Bildungsumfeld zu etablieren.
Education Ecosystem
Education Ecosystem bietet Online-Kurse basierend auf Projekten. Menschen erklären, wie sie ihr Projekt umgesetzt haben und stellen alle notwendigen Ressourcen zur Verfügung. Analog zu Twitch, wo Interessierte vor allem Gamern beim Spielen zuschauen können, können sie hier Arbeitenden über die Schulter schauen. Im Vordergrund stehen computerbasierte Projekte im Bereich Design, Programmieren, Spiel-Entwicklung und ähnlichem.
Die Plattform ist nicht neu. Bereits jetzt lassen sich Projekte mitverfolgen, allerdings noch basierend auf konventionellen Währungen und konventionellen Transaktionsdiensten wie Paypal. Dieser Transaktionsablauf soll nun durch Blockchain und eine Kryptowährung ersetzt werden. Transferiert werden sollen künftig LEDU (Education Tokens), eine eigene Kryptowährung. Bei Aktivitäten wie Anmeldung zu einem Kurs, Herunterladen von Dateien, Senden von Nachrichten, Einreichen von Projekten und mehr werden automatisch LEDU vom persönlichen Konto abgezogen. Die Benutzerinnen und Benutzer erhalten wiederum LEDU-Tokens für abgeschlossene Lernaktivitäten. Weiter werden Tokens ausgeschüttet für Qualitätssicherungs-Massnahmen und für Entwickler, die Anwendungen basierend auf der API programmieren. Ausserdem erhalten natürlich die Projekt-Entwickler LEDU.
ODEM
ODEM steht für On-Demand Education Marketplace. Sie will Studierende, Lehrende und Dienstleister wie Übersetzerinnen und Übersetzer, Catering-Dienste usw. miteinander vernetzen. Die Veranstaltungen sollen (auch?) lokal stattfinden. Bildungsinstitutionen als vermittelnde Instanz sollen eingespart werden.
Auch bei ODEM gibt es eine eigene Kryptowährung, die nicht nur einseitig von Studierenden an Lehrende transferiert wird. Studierend können sich selbst auch ODEM Tokens erarbeiten, indem sie massgeschneiderte Curricula ausarbeiten. Die erste Beta soll Ende Juni 2018 live gehen.
Knowledge.io
Knowledge.io versteht sich als Marktplatz. Die User erhalten KNW-Tokens, wenn sie auf der Plattform ihr Wissen teilen. Mit den Tokens können im Marktplatz “Wissen” und Produkte eingekauft sowie auf der Plattform Werbung geschaltet werden. Im Marktplatz soll es bereits 300’000 Produkte geben. Beispielsweise möchte jemand über Drohnen besser Bescheid wissen. Er oder sie kann entsprechende Kurse einkaufen. Des weiteren können Dritte Werbung für Drohnen schalten, die dann ebenfalls auf dem Markplatz gekauft werden können.
Die Plattform soll in der Lage sein, das Wissen der User pro Thema einzustufen – offenbar in fünf Kategorien – über Knowledge Scores. Im Whitepaper erklärt Knowledge.io die fünf Stufen wiederum am Beispiel Drohnen.
- Awareness: X hat bereits jemandem beim Drohnen-Fliegen zugeschaut.
- Research: X hat über Drohnen recherchiert.
- Exposure: X hat mit Drohnen auf Beginner-Level experimentiert.
- Usage: X fliegt Drohnen durchschnittlich gut.
- Expertise: X fliegt Drohnen meisterhaft.
Um die Expertise einzustufen, will Knowledge.io u.a. die Aktivitäten auf der Plattform und das individuelle Freundes-Netzwerk auswerten.
Die Plattform soll in der zweiten Hälfte 2019 live gehen.
Socratescoin
Socratescoin verbindet Blockchain mit Virtual Reality mit dem Ziel einer Bildungsrevolution. Es sollen nicht weiter “menschliche Roboter” für das Industriezeitalter “trainiert” werden. Stattdessen sollen virtuelle Universitäten Gelegenheit bieten zum entdeckenden Lernen und Forschen.
Die virtuelle Universität soll Ende 2018 ihre Tore öffnen.
Fazit
Egal ob das projektbasierte Education Ecosystem, der angetretene Hochschulkiller ODEM, der Marktplatz von Knowledge.io oder die virtuelle Universität: Gemeinsam ist allen Plattformen, dass sie primär auf Erwachsene abzielen. Alle vorgestellten Plattformen sind im Entstehen begriffen und noch nicht live. Noch ist vieles schwammig und die Töne grossspurig. Es wird sich zeigen, welche Plattform es überhaupt in den produktiven Betrieb schafft und welche sich gar längerfristig etablieren kann. Jedenfalls fliessen derzeit Millionen in – nicht nur – blockchainbasierte Startups und weitere Ansätze werden bestimmt dazu kommen.
Weiter wird deutlich, dass die Kryptowährungen nicht nur für simple Transaktionen von den Lernenden hin zu den Lehrenden verwendet werden, sondern das Verhalten der User durch ein viel detaillierteres Anreizsystem steuern sollen.