Nachdem ich in einem kürzlichen Blog-Beitrag die beiden Begriffe Serious Games und Gamification einander noch weitestgehend objektiv gegenüberstellte, erscheint mir der Begriff Serious Games zunehmend problematisch. Meiner Meinung nach birgt er folgende Probleme:
- Serious Games dienen nicht nur zum Vergnügen, sondern haben ein ernsthaftes Ziel.
- Serious Games werden oft nicht freiwillig genutzt.
Sowohl Freiwilligkeit wie auch das Ziel in sich selbst sind gemäss vielen Definitionen von Spielen zentrale Merkmale von Spielen. Der Game Designer Jesse Schell setzt in seinem Buch “The Art of Game Design – a Book of Lenses” sogar Arbeit gleich mit Knechtschaft und Spiel mit Freiheit.
Aus diesen Gründen ist es umstritten, ob Serious Games überhaupt als Spiele bezeichnet werden können. Meiner Meinung nach ist es ist den Nutzenden überlassen, ob sie ein bestimmtes Serious Game als Spiel oder z.B. als Objekt zu Lernzwecken wahrnehmen. Aus dieser Perspektive erscheint es arrogant, Serious Games als Spiele zu bezeichnen, weil hierbei die Wahrnehmung der Spielenden vorweggenommen wird.
Der Begriff Lernspiel als Unterkategorie von Serious Games wirft eine weitere kritische Frage auf: Mit dem Zusatz Lern wollen sich Lernspiele von “normalen” Spielen insofern abgrenzen, als dass sie zu Lernzwecken verwendet werden können. Damit besagt der Begriff implizit, dass mit „normalen“ Spielen nicht gelernt werden kann. Dies ist jedoch empirisch widerlegt. Insofern schwingt mit dem Begriff Lernspiel eine doppelte Portion Arroganz mit.
Geeigneter erscheint mir der Begriff Gamification. Gamification meint die Anreichung eines “Systemes mit ernsthaftem Ziel” mit spielerischen Elementen. Genau dies tun Serious Games, Lernspiele oder auch Planspiele. Im Vergleich zu diesen drei Begriffen wertet Gamification aber nicht, ob das gamifizierte System als Spiel wahrgenommen wird. Es bezeichnet das System ehrlicher als gamifiziert und nicht als Spiel.