Christine Gerber, Primarlehrerin in Steffisburg, hat QuesTanja während sechs Wochen in den Fächern Deutsch und Rechnen einer 3. Klasse eingesetzt. Die Deutsch- und Rechnen-Quests waren alle im selben Pool, dh. die Schülerinnen und Schüler konnten frei wählen, je nachdem ob ihnen gerade mehr nach Deutsch oder Rechnen war. Nun liegt Christine Gerbers Erfahrungsbericht in Form einer Zertifikatsarbeit vor. Sie, sowie zwei Unterrichtsbesuche bei Christine, geben uns spannende Hinweise:
- QuesTanja wurde zwar für die Sekundarstufe I konzipiert, funktioniert aber grundsätzlich auch auf unteren Schulstufen. Verglichen mit den Erprobungen mit einer 8. und einer 9. Klasse wirkte alleine schon der Einsatz von Tablets (Windows Surface) motivierend. Spieltypische Elemente wie der Avatar und die Möglichkeit, die Avatare ihrer Mitschüler zu sehen, lösten Begeisterungs-Jauchzer aus und waren vielbeachtet, während die 8./9.-Klässer sie zwar wahrnahmen und damit spielten, aber eher am Rande. Verglichen mit den älteren Schülern führten die für viele 3. Klässler ungewohnten Tablets vereinzelt aber auch zu Bedienungsschwierigkeiten, die teilweise Frust auslösten. Dh. für noch jüngere Schülerinnen und Schüler dürften sich webbasierte Applikationen wie QuesTanja vermutlich schlecht eignen.
- Die Rangliste führte gegen Ende der sechs Wochen besonders bei den Schülerinnen und Schülern im oberen Bereich der Rangliste zu einem Schlussspurt. Bei der Erprobung mit den den Sek-I-Klassen beobachteten wir dieses Phänomen nicht. Ein Grund ist sicher, dass bei den Sek-I-Klassen schlicht zu wenige Quests vorhanden waren (obwohl deutlich mehr angeboten wurden als im üblichen Unterricht) und viele Schülerinnen und Schüler schon vorzeitig alle Quests gelöst hatten.
- In Übereinstimmung mit den Erfahrungen der Sek-I-Erprobungen profitierten auch bei den 3.-Klässern vor allem die leistungsschwächeren Schülerinnen und Schüler von QuesTanja. Christine Gerber dazu: “Die Kinder im Mittelfeld oder diejenigen im oberen Teil des untersten Drittels, waren immer wieder bestrebt, noch ein paar Plätze nach oben zu erklimmen. In diesem Feld zeigten sich Schülerinnen und Schüler an vorderster Front, die sich im Unterricht vor dem Projekt tendenziell im hinteren Teil des letzten Drittels bewegt hatten. Diese Kinder wurden in Ludosia nachhaltig motiviert und haben aus diesem Projekt ein grosses Selbstwertgefühl mitgenommen.”
- Besonders erfreulich ist die Beobachtung von Christine Gerber, dass einzelne leistungsschwächere Schülerinnen und Schüler dank QuesTanja offenbar ihr Selbstvertrauen stärkten, den Anschluss gefunden haben und auch lange nach den sechs QuesTanja-Wochen noch deutlich aktiver am Unterricht teilnehmen und entsprechend bessere Leistungen erbringen als vor dem Einsatz von QuesTanja. Hierzu wäre generell eine Schüler-Umfrage ein Jahr nach der QuesTanja-Nutzung mal spannend.
- Ebenfalls in Übereinstimmung mit den Beobachtungen auf Sek-I-Stufe bleibt die Motivation der Schülerinnen und Schüler bis zum Schluss konstant hoch. Mit sechs Wochen war der Einsatz bei den 3. Klässern bislang am längsten (vorher vier und fünf Wochen), aber auch am intensivsten, da QuesTanja gleich in zwei Fächern zum Einsatz gelangte. Christine Gerber würde allerdings bei einem nächsten Einsatz die Unterrichtszeit mit QuesTanja eher verringern.
- Und einmal mehr: Der Erfolg hängt auch beim Unterricht mit QuesTanja vor allem von der Lehrperson ab. Sie prägt die zwischenmenschliche Beziehungen und den “Klassengeist”, nicht QuesTanja. Sie prägt aber auch den Umgang mit QuesTanja. QuesTanja setzt zwar Anreize zu einem schülerzentrierten Unterricht, lässt aber offen, wie die Lehrperson den Unterricht konkret gestalten möchte. In den Worten von Christine Gerber: “Diese Projektphase hat mir aufgezeigt, dass ich als Lehrperson meine Rolle im gamifizierten Unterricht zwar insofern verändere, dass ich einen grösseren Teil zur Unterstützung jedes Einzelnen, wie auch zur Beobachtung einsetzen kann, gleichzeitig den Unterricht immer noch mitpräge und als Lehrperson auch im gamifizierten Unterricht massgebend und wichtig bin.”