Beim Educamp in Frankfurt mündeten einige Sessions in Grundsatzdiskussionen zum Datenschutz und auch anderswo ist der Umgang mit Datenschutz an Schulen gegenwärtig ein heisses Thema.
Es gibt mehrere Player, die Profit ziehen wollen von Daten:
- Behörden, Geheimdienste, Kriminelle etc. die sich mit Gesetz oder Gewalt Zugang zu Daten verschaffen.
- Kommerzielle Mobilfunkprovider, Anbieter von Web-Diensten, etc. die ihren Dienst im Tausch gegen die Kommerzialisierung der Nutzerdaten kostenlos anbieten oder die zusätzlich zu den Einnahmen für die Nutzung des Dienstes mit Daten verdienen wollen.
- Personen aus dem unmittelbaren Umfeld der Nutzenden, die sich von den Daten Vorteile erhoffen.
Datenschutz kann im Zeitalter von überall vorhandenen Audio-, Video- und Bildaufnahmegeräten und von datenhungrigen Institutionen nicht gewährleistet werden, das macht etwa auch der Selbstversuch vom Schweizer Nationalrat Balthasar Glättli deutlich. Wie können Schulen mit dieser Situation sinnvollerweise umgehen, ungeachtet der jeweiligen rechtlichen Situation?
- Sie können den Kreisen, die sich gewaltsam Zugang zu Daten verschaffen, das Leben möglichst schwierig machen, indem sie Daten über sichere Verbindungen verschicken und verschlüsselt speichern. Die Möglichkeiten sind in Zeiten von Vorratsdatenspeicherung und NSA allerdings beschränkt.
- Sie können teilweise freie, nichtkommerzielle Dienste nutzen und andernfalls die Wahl der Online-Dienste nach Möglichkeit den Schülerinnen und Schülern resp. deren Bevollmächtigen überlassen. So können diese selbst bestimmen, bei welchem Anbieter sie ihre Daten haben möchten.
- Sie können Personen aus dem unmittelbaren Umfeld, die Interesse haben könnten an den Nutzerdaten, ins Leere laufen lassen, indem sie Dienste verwenden, die möglichst weit weg gehostet werden.
Konkret könnte das heissen:
- Z.B. einen Dienst für die gemeinsame Datenablage eines Lehrerkollegiums nutzen, der gesicherte Verbindungen und eine verschlüsselte Datenspeicherung anbietet. Und gleichzeitig Aufklärungsarbeit leisten über die Folgen von Vorratsdatenspeicherung & Co.
- Die Schülerinnen und Schüler wählen lassen, mit welchem Online-Dienst diese ihr Lerntagebuch führen wollen.
- Klassenlisten etc. nicht über hauseigene oder lokale E-Mail-Anbieter verschicken.
Bezüglich der Daten dürften weniger Online-Dienste heikel sein, die im Unterricht genutzt werden – etwa ein Blog-Dienst für Lerntagebücher, eine Video-Plattform oder ein Übersetzungsdienst – als vielmehr die Übermittlung von Klassenlisten oder von Schulnoten per E-Mail oder ähnlich.
Natürlich müssen nebst dem Datenschutz auch didaktische, praktische und andere Überlegungen einbezogen werden.