Mit Twick.it hat vor einigen Monaten ein neues Online-Lexikon die Welt erblickt. Wie bei der Wikipedia kann jeder Nutzer Stichworte erklären, die Inhalte stehen unter einer freien Lizenz und sind kostenlos abrufbar. Allerdings kann ein Stichwort nur mit max. 140 Zeichen erklärt werden. Zusätzlich kann ein einzelner Weblink zu weiteren Informationen führen. Im Gegensatz zur Wikipedia werden die Stichwort-Erklärungen nicht kollaborativ verfasst, sondern wie bei Google Knol können konkurrenzierende Erklärungen erstellt werden. Angemeldete User können eine Erklärung positiv oder negativ beurteilen. Gibt es mehrere Erklärungen zu einem Thema, wird die bestbewertete zuoberst gelistet. Für konzisere Erklärungen von Twick.it siehe http://twick.it/de/Twickit.
Was die Wikipedia von Twick.it lernen kann
- Bei Twick.it fühlt man sich willkommen und wohl. Es sind Details, die den Ton bestimmen. Z.B.: Ist man angemeldet, erscheint oben nicht einfach der nackte Benutzername, sondern der Text “Hallo, xy. Schön, dass du da bist.” Bei der Wikipedia hingegen wurde in letzter Zeit oft über den destruktiven Empfang von Neu-Autoren diskutiert.
- Bei der Wikipedia immer wieder ein Thema sind Bewertungen von Artikeln durch die Besucher. Bei Twick.it ist das ein wesentlicher Bestandteil des Konzepts. Nur angemeldete User können bewerten, so lassen sich Mehrfachbewertungen
einer Stichworterklärung durch denselben User problemlos vermeiden. Das macht besonders in Kombination mit der Möglichkeit Sinn, konkurrenzierende Erklärungen zu verfassen. Aber vielleicht könnten Bewertungen durch die User in der Wikipedia auch zum Qualitätsmanagement beitragen. - Beschränkt auf 140 Zeichen schreibt es sich bei Twick.it ganz anders als in der Wikipedia, wo unbeschränkt Platz für eine Stichworterklärung zur Verfügung steht. Beides lässt sich nicht vergleichen. Die Wikipedia könnte sich das Twick.it-Prinzip aber als Vorbild für eine verdichtetere und wenig ausschweifendere Schreibe nehmen.
Was Twick.it von der Wikipedia lernen könnte
- Dank der Hyperlinkstruktur in der Wikipedia kann man leicht von einem Lemma zum nächsten hüpfen. Bei Twick.it würde ich mir wünschen, dass Autoren Begriffe innerhalb einer Stichwort-Erklärung verlinken können. Angenehmer Nebeneffekt könnte sein, dass die in der rechten Spalte teilweise angezeigten “Verwandten Themen” sowie die generierten Tags passender bestimmt werden könnten, weil aus mehreren Worten zusammengesetzte Begriffe als Einheit erkannt und Flexionen zu ihrem Stamm reduziert würden.
- Viele Stichworte lassen sich durch ein Bild besser beschreiben als durch Worte. Die Möglichkeit, zusätzlich zu 140 Zeichen Text und einem Weblink noch ein (freies) Bild anzufügen, könnte hilfreich sein.
- Wie in der Wikipedia können auch bei Twick.it die Definitionen jederzeit geändert werden, allerdings nur vom Verfasser selbst. Änderungen werden aber bei Twick.it nicht ausgewiesen. Eine Versionsgeschichte drängt sich aufgrund der nicht-kollaborativen Arbeitsweise nicht zwingend auf, könnte aber doch von Interesse sein, z.B. nur schon um persistent zitieren zu können.
Ich wünsche Twick.it und der Wikipedia sowie allen Leserinnen und Lesern ein erfolgreiches neues Jahr!