Eine Gruppe von Menschen aus aller Welt soll innert einer Woche eine innovative Lösung zu einer bestimmten Herausforderung finden – und das ohne Moderation: Das ist das Konzept des Aalto Camp for Societal Innovation (ACSI), das vom 7.-14. August 2012 zum dritten Mal stattfand. Auf Einladung des New Club of Paris durfte ich teilnehmen und in einer Gruppe aktiv mitwirken.
ACSI ist ein jährlich stattfindender Think Tank für innovative Lösungen zu gesellschaftlichen Herausforderungen, organisiert vom New Club of Paris sowie von der Aalto University in Helsinki. Konkret wurden dieses Jahr sieben Herausforderungen eingereicht und zwar von den Städten Amsterdam, Malmö, Espoo und Kotka sowie von der University of Turku. Zu jeder Herausforderung wurde eine interdisziplinäre Gruppe von ca. 8-10 Menschen geformt, die aus der ganzen Welt stammten und sich grösstenteils nicht kannten. Insgesamt waren gegen 40 Länder vertreten. Die Teilnehmer waren z.B. Unternehmer, Forscher, Studierende oder Mitarbeitende von Städten, verfügten alle über unterschiedliche Kenntnisse und Fähigkeiten, waren aber keine Experten zum Inhalt der Herausforderung. Jede Gruppe versuchte in dieser Woche eine innovative Lösung zur jeweiligen Herausforderung zu finden und nach Möglichkeit mittels Rapid Prototyping auf Machbarkeit zu prüfen und visualisieren. Das besondere daran war, dass die Gruppenarbeit unmoderiert war, dh. die Gruppe musste sich selbst organisieren. Diese Methode dürfte zwar weniger effizient als moderierte Teamarbeit sein, dafür sollen innovativere und überraschendere Lösungen entstehen. Sie erinnert mich stark an die Forschungsarbeiten von Sugata Mitra.
Die Woche war sehr intensiv und sie war für mich eine sehr wertvolle und inspirierende Erfahrung. Aus Sicht der Bildung stehen für mich folgende Erkenntnisse im Vordergrund:
- Die Intensivität des Lernprozesses war enorm. Offiziell war jeweils um 17.00 Uhr Feierabend, oft arbeiteten die Gruppen freiwillig deutlich länger. Über die Nacht irrten unsere Gedanken ebenfalls weiter und nicht selten kamen wir dann am nächsten Morgen mit neuen Ideen. Über ein solches Engagement träumt jede Lehrperson…
- Im Vordergrund stand die Lösung eines Problemes und nicht primär der Lernprozess. Trotzdem dürfte z.B. der inhaltliche Lernprozess deutlich nachhaltiger sein, als wenn wir eine Vorlesung an einer Hochschule zum Thema unserer Herausforderung besucht hätten.
- Die Verknüpfung von Lernprozessen und Praxisrelevanz ist enorm motivierend. Diese Erkenntnis ist nicht neu, aber ich bin überzeugt, dass hier ein riesiges Potential schlummert.