Weshalb ich Gamification von Unterrichtseinheiten nicht mag

Gamification im Bildungswesen kann auf verschiedenen Ebenen erfolgen. Seit einiger Zeit beschäftige ich mich intensiv mit den Möglichkeiten von Gamification auf Ebene Unterrichtseinheiten, dies dürfte die grösste praktikable Ebene sein. Doch eigentlich widerstrebt mir Gamification auf dieser Ebene und ich spüre immer wieder eine Abneigung – aus folgenden Gründen:

  • Gamification auf Stufe Unterrichtseinheiten ist stark eingeschränkt durch das übergeordnete Schulsystem. Gamification setzt Anreize, das Schulsystem auch. Die Gamification-Anreize und die Schulsystem-Anreize arbeiten oft gegeneinander, resp. mit Gamification müssen die ungeschickt gesetzten Anreize des Schulsystems ausgebügelt werden.
  • Gamification auf Stufe Unterrichtseinheiten ist Symptombekämpfung. Ziel der Gamifizierung ist meistens ein höheres Engagement der Schülerinnen und Schüler durch motivierteres Arbeiten. In einem nach den Prinzipien des Systemdenkes (resp. des Game-Designs, resp. der Motivationspsychologie…) entwickelten Schulsystem müssten genauso wenig Anreize gesetzt werden, damit Schülerinnen und Schüler eine erwartete Tätigkeit ausüben, wie Fussballer Anreize benötigen, um Fussball zu spielen (Sieg-Prämien im Fussball halte ich für genauso sinnlos).
  • Gamification auf Stufe Unterrichtseinheit soll vor allem jene Schülerinnen und Schüler ansprechen, die nicht “schulkompatibel” sind oder wenig Interesse am Fach haben. Das wird etwa in den USA deutlich, wo das Schulschwänzen und Schulabbrechen ein grosses Problem ist, das mit Gamfication erfolgreich abgeschwächt werden kann. Dh. man versucht diese Schülerinnen und Schüler statt mit Drohungen und Strafen mit Anreizen ins System zu pressen – sicher schon mal etwas besser, aber naja…

Natürlich gibt es auch Gründe, weshalb ich Gamification von Unterrichtseinheiten mag, sonst würde ich mich nicht damit beschäftigen. Dazu mal in einem späteren Blog-Posting mehr.

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