Schon länger beschäftigt mich der Zusammenhang von Spielen und Lernen und der Gegensatz von extrinsischer und intrinsischer Motivation und deren Auswirkungen auf den Unterricht. Nun tritt das Institut Zukunft an, das intrinsisch motivierte Lernen zu fördern. Dazu hat es Thesen aufgestellt, welche positiven Auswirkungen intrinsisch motiviertes Lernen haben könnten (kann es auch negative Auswirkungen haben?). Demnach würde eine Schule, die auf intrinsischer statt auf vorwiegend extrinsischer Motivierung basiert…
- zu mehr Unternehmensgründungen führen.
- nicht-kognitive Fähigkeiten fördern, die Produktivität steigern und Ungleichheit reduzieren.
- Depression reduzieren.
- den Arbeitsstress reduzieren.
- Hierarchien abflachen.
- die Arbeitsmoral steigern und Umschulungskosten reduzieren.
- auf lebenslanges Lernen vorbereiten.
- zu längerfristigem Denken führen.
- zu erhöhter Gesundheit führen.
Doch welche Auswirkungen hätte intrinsische Motivation auf das Lernen selbst?
Lernen könnte nach Peter Gray als Ergebnis dreier menschlicher Eigenschaften betrachtet werden: Neugierde, Verspieltheit und Geselligkeit. Diese Eigenschaften können in einen Kreislauf gebracht werden:

Beispielsweise erhalte ich aufgrund der Geselligkeit den Hinweis vom Intrinsic Campus, meine Neugierde ist geweckt und dank der Verspieltheit stelle ich allerlei Gedankenspiele an, die ich weiter kommuniziere (Geselligkeit). Alles intrinsisch motiviert. Die Neugierde von anderen Menschen würde durch andere Anreize entfacht und es würden bei ihnen andere Lernprozesse stattfinden.
Bei Schulen, die sich an einem Lehrplan orientieren, wird in der Regel vorgegeben, mit welchem Thema sich die Schülerinnen und Schüler beschäftigen sollen – es dominiert extrinsische Motivation, auch wenn die Schülerinnen und Schüler vielleicht innerhalb des Themas Schwerpunkte setzen, das Arbeitstempo und die Vorgehensweise selber bestimmen können. Dies hat einige Auswirkungen. Ist der Kreislauf von Geselligkeit-Neugierde-Verpieltheit-Geselligkeit bei intrinsisch motiviertem Lernen von sich aus geschlossen, ist er bei extrinsisch motiviertem Lernen unterbrochen. Geschlossen wird er durch didaktische Massnahmen. So muss zuerst an das individuelle Vorwissen angeknüpft werden. Unterrichtseinheiten sollen in die Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen eingebettet sein. Neugierde muss geweckt, Motivation gefördert werden. Prozesse der Metakognition gezielt angestossen werden.
Wie viel Didaktik bleibt übrig, wenn mit intrinsischer Motivation gearbeitet wird? Wann passiert Lernen? Es braucht Futter für die Neugierde. Ressourcen für die Verspieltheit. Menschen für die Geselligkeit. Punkt.
Besteht die Notwendigkeit für weite Teile der Didaktik ausschliesslich deshalb, weil die natürlichen, intrinsischen Lernprozesse unterbrochen wurden? Also weil gesellschaftlich-politische Instanzen steuern möchten, was wann gelernt wird?