An den diesjährigen Edudays in Krems an der Donau widmete ich mein Referat dem Thema “Wie Feuer und Wasser: Schule und Internet passen nicht zusammen”. “Schule” verwendete ich verkürzt als Schulsystem, als Summe verschiedener Elemente wie Schülerinnen und Schüler, Lehrpersonen, Klasse, Lehrplan, Fächer, Unterrichtsstunden, Prüfungen und Diplome. Ich führte sieben Argumente an:

Das Schulsystem kennt viele Elemente, die Grenzen setzen: Fächer, Lehrpläne und Unterrichtsstunden schränken ein, mit welchen Inhalten sich Schülerinnen und Schüler beschäftigen; Schulzimmer schränken ein, wo Schülerinnen und Schüler lernen; Klassen schränken ein, mit wem sie lernen. Die Schule selbst grenzt sich als Lernort vom Lebensort ab. Das Internet löst viele dieser Grenzen auf. So kann mit dem Internet überall gelernt werden und potenziell mit beliebigen Menschen auf der ganzen Welt. Inhalte sind nicht in Fächer aufgeteilt, sondern miteinander vernetzt. Dies setzt vor allem feste Klassen, Fächer und Unterrichtsstunden unter Druck.

Internet-Clients werden als Uhren und Brillen immer unsichtbarer. Beispielsweise die Smartbrillen von Carl Zeiss lassen sich kaum noch von konventionellen Brillen unterscheiden. Somit lässt sich nicht mehr überwachen, wer in der Schule oder Hochschule wann was im Internet tut. Leistungsbeurteilungen in einem kontrollierten Umfeld funktionieren nicht mehr, resp. nur noch mit überzogenen Kontrollmassnahmen wie der Installation von Störsendern. Gerade für Hochschulen dürfte dies eine grosse Herausforderung werden und es wird sich zeigen, ob und in welcher Form sie künftig noch aussagekräftige Fähigkeitszeugnisse ausstellen können.

Je nach Berechnungsart verdoppeln sich die weltweiten Informationen alle 5-15 Jahre. Einige davon sind relevant für Schulen. Momentan fordern etwa Medienpädagogen Unterrichtsstunden, Informatikerinnen dito. Wie passen all diese Inhalte und Kompetenzen in die bereits übervollen Stundentafeln? Die Handhabung, Lerninhalte für alle festzulegen, dürfte immer stärker unter Druck kommen.

Die Inhalte stehen mit dem Internet kostenlos zur Verfügung. Wichtig ist, diese Informationen kompetent nutzen zu können. Es dürfte immer stärker hinterfragt werden müssen, welches Allgemeinwissen weiterhin zwingend für alle erforderlich ist und wie erfolgreich deren Vermittlung in Vergangenheit überhaupt geleistet wurde. Stattdessen werden vermehrt überfachliche Kompetenzen gefordert, wie sie etwa im Buch von Hartmann/Hundertpfund beschrieben werden. Eine Orientierung an den Inhalten (Fächer) könnte zunehmend unter Druck geraten.

Die Schule setzt auf Normierungen wie Jahrgangsklassen, einheitlichen Lehrplan, einheitliche Prüfungen, teilweise gar Zentralabitur. All diese Elemente sind zunehmend fragwürdig vor dem Hintergrund, dass erstens Menschen unterschiedliche Fähigkeiten und Interessen haben und zweitens diesen mit dem Internet nach Belieben nachgehen können.

Routinetätigkeiten werden immer mehr von Computern übernommen und gehen als Arbeitsplätze für Menschen verloren. Für Routinetätigkeiten ist das Befolgen von Anweisungen zentral. Dies wurde bislang in der Schule vorherrschend gelebt. An die Stelle von Routinetätigkeiten treten vor allem Tätigkeiten, die kreative Problemlösekompetenz verlangen. Zur Förderung dieser Kompetenz ist eine hohe Selbststeuerung wichtig und Leistungsdruck schädlich. An Stelle von kontrollierender Bewertung treten deshalb mehr und mehr informierende Rückmeldung, an Stelle von einschränkenden Vorgaben wer wann was tun soll (Curriculum/Fächer) tritt Selbststeuerung.

Schulische Abschlüsse verlieren mit dem Internet immer mehr an Bedeutung, stattdessen wird wichtiger, was Personen können. Beispielsweise gibt es immer mehr Webdienste, die Arbeiten und Personen (z.B. Upwork) resp. Produkte und Personen (z.B. Dawanda) miteinander verknüpfen. Weiter ist es heute übers Internet möglich, ohne Abitur Hochschulveranstaltungen zu besuchen. Entscheidend, wer eine Arbeit erhält, ist vielmehr, welche ähnliche Projekte eine Person bereits zufriedenstellend verrichtet hat. Ausserdem wählen immer mehr Unternehmen ihre Mitarbeitenden auf Basis von bereits gemeisterten Projekten und auf Basis von eigenen Tests aus, Abschlusszertifikate spielen immer mehr eine untergeordnete Rolle. Mit Zertifikaten gelangen auch all jene Elemente unter Druck, die dafür notwendig waren (Prüfungen, Jahrgangsklassen, etc.).
Insgesamt dürften deshalb Elemente des Schulsystems wie Prüfungen, Unterrichtslektionen, Lehrpläne, Zertifikate, feste Klasse und Fächer mit Computer und Internet in Konflikt und immer stärker unter Druck geraten.
→ Folien der Präsentation (pdf – 19.8 MB)