In Ergänzung zur öffentlichen Veranstaltung an der Zentralbibliothek Zürich vor einem Monat fand gestern am selben Ort ebenfalls zur Wikipedia ein Kolloquium für Universitäts-Mitarbeitende statt. Der Raum war platschvoll; deutlich mehr Leute als angemeldet haben sich entschieden, ihre Mittagspause zugunsten persönlicher Weiterbildung zu opfern.
Inhaltlich haben wir – Magnus Wieland von der ZB und ich – versucht, nicht einzuengen und die Themen zu diskutieren, welche die Anwesenden unter den Nägeln brannten. Ich fand das Kolloquium sehr spannend und hoffe, dass es den TeilnehmerInnen auch so ging. Hier ein paar inhaltliche Punkte, die ich mir notiert hatte, in loser Reihenfolge:
- Eine Zusammenarbeit zwischen Laien und Experten ist befruchtend. Wer aber ist ein Laie, und wer ein Experte? Anhand welcher Kriterien wird Expertentum gemessen?
- Die faulen Studierenden haben früher Sekundärlitertur zitiert, heute zitieren sie die Wikipedia. Es hat sich nicht viel geändert.
- Wikipedia wird typsicherweise als Einstieg genutzt, von dort können User dann dank Literaturangaben, Weblinks und Einzelnachweisen tiefer in ein Thema einsteigen. Wikipedia ist also Gatekeeper, einige Quellen werden übermässig gewichtet. Auch dies ist nicht neu, früher nahmen Verlage die Position der Gatekeeper ein und haben einzelne Autoren den anderen vorgezogen. Allerdings kann auf die Quellen der Wikipedia einfacher Einfluss genommen werden als auf die Auswahl der Autoren bei Verlagen.
- Wikipedia wird von Personen geschrieben, die Zeit haben. Zeit ist Währung der Wikipedia. Wer mehr Zeit hat, hat mehr Einfluss auf die Inhalte.
Nachtrag (31. Okt. 08): Inzwischen hat Jan Hodel, der am Kolloquium teilgenommen und es mit seinen Voten bereichert hat, einen ausführlichen Bericht gebloggt.