Der Geschichtsdidaktiker und Wikipedia-Forscher Jan Hodel fügt seinen kritischen Gedanken zur Zedler-Medaille auch eine kritische Bemerkung zu überlangen Wikipedia-Artikel an:
»Leider wird nicht weiter dargelegt, warum diese Artikel preiswürdig sind oder ob die Bezeichnung “enzyklopädischer Beitrag” eigentlich noch auf diese seitenlagen Abhandlungen passt.«
Diese Kritik deckt sich mit meinen Beobachtungen. Besonders als exzellent ausgezeichnete Artikel werden in meiner Wahrnehmung immer länger, ja, Überlänge ist mittlerweile fast eine Bedingung für Exzellenz. Meiner Meinung nach ist diese Entwicklung kontraproduktiv.
Artikel in Online-Enzyklopädien unterstehen nicht einer Platz-Beschränkung wie diejenigen in Print-Enzyklopädien. Das ist gut – aber eben auch eine Gefahr, dass die Artikel dann in der Länge ausufern. Mittlerweile gibt es bereits exzellente Artikel mit einer Dreifachstufung: Zwischen dem üblichen zusammenfassenden ersten Abschnitt und dem folgenden eigentlichen Inhalt wird zuweilen eine mehrere Unterkapitel umfassende Zusammenfassung eingefügt, welche das übliche zusammenfassende Einstiegskapitel zu einer Zusammenfassung der Zusammenfassung werden lässt. Ausserdem beobachte ich, dass Inhalte, die in anderen Artikeln bereits behandelt sind, nicht einfach durch einen Satz zusammengefasst und die restlichen Informationen durch einen Link zugänglich gemacht werden, sondern nochmals ausführlich dargelegt werden.
Mit solchen ausufernden Artikeln vergibt sich die Wikipedia einen Grossteil ihrer Stärke. Sinn und Zweck einer Enzyklopädie ist es, einen raschen Überblick über ein Thema zu ermöglichen. Das wird immer schwieriger.