Roman Rackwitz hat kürzlich in einem Blog-Beitrag in einfachen Worten erklärt, was Gamification ist. Ganz so elegant schaffe ich es wohl nicht, aber vielleicht wirds ja auch verständlich.
Folgendes Problem: Wir möchten jemanden zu einem bestimmten Verhalten bewegen. 1 Million Flugmeilen mit unserer Fluglinie zu fliegen. Den offiziellen Impfplan einzuhalten. Die Hausaufgaben sorgfältig zu lösen.
Ist die Person bereits ausreichend motiviert, wird sie unseren Wunsch erfüllen. Wenn nicht, wenn die Person also zu wenig motiviert ist, um etwa die Hausaufgaben sorgfältig zu erledigen oder mit unserer Fluggesellschaft zu fliegen, müssen wir die Motivation erhöhen. Dies können wir punktuell tun, indem wir zum Beispiel die Hausaufgaben benoten oder 20% Rabatt auf unsere Flugpreise gewähren.
Mit der Zeit sind wir es aber leid, die Schülerinnen und Schüler immer antreiben zu müssen resp. wir gehen als Fluggesellschaft pleite. Besser wäre, wenn wir das System so umbauen können, dass die Grundmotivation von Anfang höher ist.
Diese systemische Motivierung ist Gamification. Zumindest dann, wenn wir nicht mit Zwang, sondern mit Anreizen arbeiten. Gamification ist also systemische Motivierung durch Anreize. Denn genau dies ist bei Spielen der Fall: Ein Spiel ist ein System, in das wir uns freiwillig begeben und die dortigen Regeln freiwillig befolgen. D.h. die Anreize des Spiel-Systems sprechen uns so an, dass wir uns für dieses System entscheiden. Werden wir von jemandem gezwungen zu spielen, ist das Spiel für uns kein Spiel mehr, sondern Zwang.
Ein entscheidender Faktor bei Gamification (wie auch beim Design von Spielen) ist die Zeitdauer. Wie lange wollen wir jemanden bei der Stange halten? Um die Kunden dazu zu bringen, 1 Million Meilen mit unserer Gesellschaft zu fliegen, benötigen wir ziemlich viel Überzeugungskraft.
Mit QuesTanja.org erproben wir derzeit eine Plattform, mit der eine Unterrichtseinheit gamifiziert werden kann. Wir versuchen also, der Lehrperson das “Antreiben” der Schülerinnen und Schüler für vielleicht vier oder fünf Wochen abzunehmen. Das ist durchaus machbar (wie die ersten Ergebnisse zeigen). Interessanter wäre es natürlich, das gesamte Bildungssystem so zu modifizieren, dass gar keine kurzfristigeren Motivierungsaktionen mehr notwendig sind. Wie das – zumindest in der Theorie – aussehen könnte, habe ich vor Urzeiten mal skizziert.


