{"id":860,"date":"2008-01-20T09:11:00","date_gmt":"2008-01-20T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nandostoecklin.ch\/buchrezension-schein-als-sein\/"},"modified":"2008-01-20T09:11:00","modified_gmt":"2008-01-20T09:11:00","slug":"buchrezension-schein-als-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nandostoecklin.spieldeinleben.ch\/?p=860","title":{"rendered":"Buchrezension: Schein als Sein"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Schein als Sein &#8211; Medien, Kommerz und \u00d6ffentlichkeit&#8221; heisst der f\u00fcnfte Band der Schriftenreihe des Adolf-Arndt-Kreises. Verschiedene Autoren diskutieren spannende und aktuelle Themen wie die sich schleichend aufl\u00f6sende Pressefreiheit, die Konvergenz von Telekommunikation, Informationstechnologie und Medien oder wie Medien sich durch PR bestimmen lassen, indem sie unter Zeitdruck zum Beispiel unkritisch Medienmitteilungen wiedergeben, statt selbst Themen zu suchen.<\/p>\n<p>Mathias Schindler, Vorstandsmitglied von Wikimedia Deutschland, ist im Band mit einem &#8211; erwartungsgem\u00e4ss fundierten und spannenden &#8211; Artikel \u00fcber die Wikipedia vertreten. Er schildert drei Annekdoten aus der Geschichte der Wikipedia:<\/p>\n<ul>\n<li>Nach der Bomben-Explosion im Londoner Nahverkehr am 7. Juli 2005 entstand in der englischsprachigen Wikipedia sofort ein <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/7_July_2005_London_bombings\">Artikel<\/a> zum Ereignis. Innerhalb von 12 Stunden nach dem Attentat wurde der Artikel 1500 mal bearbeitet. Der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/John_Negroponte\">US-Geheimdienstkoordinator<\/a> sagte zwei Jahre sp\u00e4ter, <span>die Wikipedia h\u00e4tte in den ersten 24 Stunden gegen\u00fcber der Nachrichtendienste einen Informationsvorsprung gehabt<\/span>.<\/li>\n<li>Ende 2006 schmuggelte Alex R\u00fchle, Journalist der S\u00fcddeutschen Zeitung, etliche Fehler in die Wikipedia ein und <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/kultur\/artikel\/631\/90541\/\">berichtete<\/a> anschliessend dar\u00fcber, wieviele der Fehler wie schnell gefunden oder eben nicht gefunden wurden. Als Konsequenz sperrte ein Wikipedianer den Schreibzugriff der S\u00fcddeutschen wegen Vandalismus. Die S\u00fcddeutsche verstand das irgendwie falsch und meinte, auch der Lesezugriff auf Wikipedia-Artikel sei  gesperrt. In einem Telefonanruf an Wikimedia Deutschland bat ein SZ-Redaktor die Sperre aufzuheben, da dadurch <span>die Produktionsabl\u00e4ufe der Zeitung gest\u00f6rt seien<\/span>.<\/li>\n<li>Ein <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Agence_France-Presse\">AFP<\/a>-Mitarbeiter hatte grosse Teile des <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Amische\">Wikipedia-Artikels \u00fcber die Amische<\/a> kopiert und in einem Bericht ver\u00f6ffentlicht, ohne die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/GNU-Lizenz_f%C3%BCr_freie_Dokumentation\">GFDL<\/a> zu beachten. Die Presseagentur verweigerte auch nachtr\u00e4glich den Quellennachweis mit der Begr\u00fcndung, <span>die Wikipedia sei nicht zitierf\u00e4hig<\/span>.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Mathias Schindler verkn\u00fcpft die Annekdoten geschickt mit dem Kontext seines Artikels, in dem er beispielsweise die Funktionsweise der Wikipedia mit jener herk\u00f6mmlicher Enzyklop\u00e4dien vergleicht:<\/p>\n<blockquote><p>\u00bbDamit verzichtet Wikipedia auf ein grosses Privileg, das sich die Herausgeber gedruckter Nachschlagewerke m\u00fchsam erk\u00e4mpft haben: einzige Textform mit zumindest teilwissenschaftlichem Anspruch zu sein, die auf Belege verzichten kann.\u00ab<\/p><\/blockquote>\n<p>ISBN: 978-3-8305-1467-1<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Schein als Sein &#8211; Medien, Kommerz und \u00d6ffentlichkeit&#8221; heisst der f\u00fcnfte Band der Schriftenreihe des Adolf-Arndt-Kreises. 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