{"id":814,"date":"2011-11-15T09:31:00","date_gmt":"2011-11-15T09:31:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nandostoecklin.ch\/bildung-in-der-ict-kultur\/"},"modified":"2011-11-15T09:31:00","modified_gmt":"2011-11-15T09:31:00","slug":"bildung-in-der-ict-kultur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nandostoecklin.spieldeinleben.ch\/?p=814","title":{"rendered":"Bildung in der ICT-Kultur"},"content":{"rendered":"<p>Gegenw\u00e4rtig befinden wir uns im Umbruch von der Buch- zur ICT-Kultur. Gem\u00e4ss Trendforschern aus Soziologie und Kommunikationswissenschaft d\u00fcrften die Ver\u00e4nderungen dieses Umbruchs \u00e4hnlich einschneidend sein, wie die vom Buchdruck verursachten (mit Errungenschaften wie Religionsfreiheit, Demokratie, Schule, Universit\u00e4t, usw.). Einige durch die ICT (mit)verursachten Ver\u00e4nderungen erlebten wir bereits, z.B. der Zusammenbruch der Sowjetunion oder die Globalisierung (s. <a href=\"http:\/\/sociology.berkeley.edu\/profiles\/castells\/pubs.php\">Manuel Castells<\/a>). Auch die Bildung wird sich stark ver\u00e4ndern (s. z.B. <a href=\"http:\/\/www.edushift.de\/2011\/10\/08\/schule-und-die-buchgesellschaft\/\">edushift.de<\/a>). Im folgenden habe ich mir Gedanken gemacht, wie ein Bildungssystem aussehen k\u00f6nnte, das von Grund auf f\u00fcr die Gegenwart konzipiert wurde. Als Inspiration dienten mir das Online-Game <a href=\"http:\/\/www.the-west.de\/\">The West<\/a> sowie die Habilitationsschrift von Jeanette B\u00f6hme &#8220;<a href=\"http:\/\/www.uni-due.de\/biwi\/boehme\/veroeffentlichungen\">Schule am Ende der Buchkultur<\/a>&#8220;.<\/p>\n<p><b><br \/>Ziele <\/b><\/p>\n<ul>\n<li>Das Bildungssystem der ICT-Kultur anpassen <\/li>\n<li>Vorbereitung der Kinder auf eine durch rasche Ver\u00e4nderungen gepr\u00e4gte Zukunft  <\/li>\n<\/ul>\n<p><b><br \/>Massnahmen <\/b><\/p>\n<ul>\n<li>Formelle und informelle Bildung verschmelzen, resp. informelle Bildung sichtbar machen <\/li>\n<li>Gamification der Bildung <\/li>\n<li>Echte Individualisierung <\/li>\n<li>Just-in-Case-Modell ersetzen durch Just-in-Time-Modell <\/li>\n<li>Aufweichung der Trennung von Privatleben\/Berufsleben\/Schule und von Kind\/Erwachsene (<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Lebenslanges_Lernen\">Lebenslanges Lernen<\/a>) <\/li>\n<li>Institutionalisierung von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Projektunterricht\">Projektmethode<\/a> und von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Lernen_durch_Lehren\">Lernen durch Lehren<\/a>. <\/li>\n<\/ul>\n<p><b><br \/>Hintergrund <\/b><\/p>\n<ul>\n<li>Kinder wollen von selbst die Welt entdecken und dazulernen. Sie lernen z.B., indem sie die Erwachsenen spielerisch nachahmen. <\/li>\n<li>Der gr\u00f6sste Teil des Lernens erfolgt informell. Diese F\u00e4higkeiten werden bislang nur beschr\u00e4nkt ausgewiesen. Ein grosser Teil des formell Gelernten wird nie genutzt und bald wieder vergessen: &#8220;Alle \u00dcberpr\u00fcfungen des Wissens, das junge Menschen f\u00fcnf Jahre nach Schulabschluss noch besitzen, gelangen zu niederschmetternden Ergebnissen und lassen den zynischen Schluss zu, dass das deutsche Schulsystem einen Wirkungsgrad besitzt, der gegen Null strebt.&#8221; (<a href=\"http:\/\/www.klett-cotta.de\/buch\/Gesellschaft\/Bildung_braucht_Persoenlichkeit\/13974\">Gerhard Roth<\/a>, S. 297) <\/li>\n<li>Alle Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler haben unterschiedliche Interessen, Voraussetzungen und Begabungen und nehmen Informationen unterschiedlich auf. <\/li>\n<li>\u201cLernen heisst Fragen beantworten. An herk\u00f6mmlichen Schulen m\u00fcssen Kinder fortw\u00e4hrend Fragen beantworten, die sie nicht haben. Entsprechend lernen sie nicht, resp. lernen nur f\u00fcr den Test.\u201d (sinngem\u00e4sses Zitat eines Rektors eines Gymnasiums). <\/li>\n<li>Der Wechsel des Leitmediums vom Buch zum Internet krempelt das Umfeld um. Die ICT-Kultur erleichtert die Individualisierung und Zusammenarbeit, erm\u00f6glicht das einfache Publizieren und Kommunizieren und verlagert bei den notwendigen Voraussetzungen f\u00fcr das Berufsleben das Gewicht auf Kompetenzen anstelle von Inhalten. <\/li>\n<li>20-25% der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler sind nicht mehr beschulbar (<a href=\"https:\/\/cast.switch.ch\/vod\/clips\/rsfax36ym\/link_box\">Ben Bachmair<\/a>). <\/li>\n<\/ul>\n<p><b>Konzeptidee<\/b><br \/>Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler verbessern ihre F\u00e4higkeiten und erh\u00f6hen ihr Wissen durch das <b>L\u00f6sen von Quests<\/b>. Ein Quest kann z.B. sein: <\/p>\n<ul>\n<li>\u201cZ\u00fcchte Sonnenblumen in einem Topf.\u201d <\/li>\n<li>\u201cSchneide ein St\u00fcck Blech und kante es zu einer Pyramide ab.\u201d <\/li>\n<li>\u201cVerfasse einen exzellenten Artikel in der Wikipedia.\u201d <\/li>\n<li>\u201cProgrammiere eine Facebook-Anwendung mit folgenden Anforderungen&#8230;\u201d <\/li>\n<li>\u201cFinde einen Hooligan und f\u00fchre mit ihm ein Gespr\u00e4ch \u00fcber seine Motivation.\u201d <\/li>\n<li>\u201cArbeite einen Avatar in World of Warcraft bis zu Level 30 hoch.\u201d <\/li>\n<\/ul>\n<p>Es gibt<b> Einzelquests und Gruppenquests<\/b>. Anf\u00e4nglich werden die Quests lokal gel\u00f6st, sp\u00e4ter immer mehr auch global, in Zusammenarbeit \u00fcber das Internet. Einzelquests k\u00f6nnen im Verbund mit anderen, die gerade den selben Quest l\u00f6sen, angepackt werden (z.B. gemeinsame Passtour, um Brieftr\u00e4gergeografie zu \u00fcben). <\/p>\n<p>Die <b>Questnehmer<\/b> entscheiden selbst, resp. zusammen mit ihrem Umfeld, wie sie den Quest l\u00f6sen m\u00f6chten. Den Quest \u201cHalte ein viertelst\u00fcndiges Referat in Englisch\u201d kann man l\u00f6sen, indem man vor Ort Lektionen bei einem Englischlehrer belegt, oder indem man z.B. nach Malta an einen Sprachkurs reist. Sch\u00fcler erhalten ein z.B. halbj\u00e4hrliches Finanzbudget f\u00fcr die L\u00f6sung der Quests. Auf einer Online-Karte ist verzeichnet, wo ortsabh\u00e4ngige Arbeiten f\u00fcr einen Quest gel\u00f6st werden k\u00f6nnen, z.B. wo eine Werkstatt zum Abkanten von Blech zur Verf\u00fcgung steht oder wo ein Klavierlehrer zu finden ist.<\/p>\n<p>Sind die Questnehmer \u00fcberfordert, k\u00f6nnen sie die Dienste eines <b>Coaches<\/b> in Anspruch nehmen. Daf\u00fcr erhalten sie ein z.B. halbj\u00e4hrliches Budget von Coaching-Punkten, das sie zus\u00e4tzlich speisen k\u00f6nnen, indem sie selbst andere Questnehmer coachen.<\/p>\n<p>F\u00fcr jeden erfolgreich gemeisterten Quest gibt es <b>Punkte f\u00fcr bestimmte F\u00e4higkeiten und bestimmte Wissensgebiete<\/b>. Der Questgeber bestimmt, wie das Ergebnis kontrolliert wird. Z.B. kann er ein Arbeitstagebuch verlangen, oder es reicht ihm das Endprodukt, z.B. die programmierte Facebook-Anwendung. <b>Experten<\/b> kontrollieren das Ergebnis mit dem Ergebnis \u201cakzeptiert\u201d oder \u201czur\u00fcckgewiesen\u201d.<\/p>\n<p>Sobald ein Questnehmer ein gewisses Set an Fertigkeiten erreicht hat, steigt er einen <b>Level<\/b> h\u00f6her. Levels k\u00f6nnen Bedingungen sein, z.B. um als Coach t\u00e4tig zu sein, um Quests k\u00fcnftig von Hause aus zu erledigen, um selbst \u00fcber das budgetierte Geld zu verf\u00fcgen, usw. <\/p>\n<p>Die Questnehmer k\u00f6nnen die Quests selbst aus einer Datenbank ausw\u00e4hlen, anf\u00e4nglich auf Basis einer Vorauswahl durch den <b>Koordinator<\/b>. Je nach pers\u00f6nlichem Set von erreichten Punkten bei den F\u00e4higkeiten und Wissensgebieten und nach aktuellem Level werden andere Quests vom System empfohlen. <\/p>\n<p>Die <b>Quest-Datenbank<\/b> ist \u00f6ffentlich und kann beliebig erweitert werden. Experten stufen neue Quests ein, resp. definieren die Voraussetzungen, um die Quests zu starten. Die Quests auf den unteren Levels werden vor allem durch Koordinatoren formuliert. Auf h\u00f6heren Levels stammen die Quests vor allem aus der Privatwirtschaft, von NGOs und von Hochschulen. <\/p>\n<p>Wer einen Quest formuliert, bestimmt, ob dieser dauerhaft in der DB zur Verf\u00fcgung stehen soll oder nur von ausgew\u00e4hlten Questnehmern genutzt werden darf und ob er nur ein Mal oder mehrfach gel\u00f6st werden soll (z.B. Quests aus der Privatwirtschaft). Quests, die nur einmal gel\u00f6st werden k\u00f6nnen, sind <b>Duelle<\/b>: Questnehmer k\u00e4mpfen gegeneinander, um als erste den Quest zu l\u00f6sen. Ist der Quest gel\u00f6st, verf\u00e4llt er. <\/p>\n<p>Es gibt <b>\u00f6ffentlich zug\u00e4ngliche Ranglisten f\u00fcr s\u00e4mtliche Fertigkeiten<\/b>. Questnehmer k\u00f6nnen selbst bestimmen, ob ihr Pseudonym in der \u00f6ffentlichen Rangliste ersichtlich sein soll. Diese Ranglisten k\u00f6nnen zur Verst\u00e4rkung der Motivation dienen, sich in einem Bereich hochzuarbeiten. Arbeitgeber k\u00f6nnen mit Hilfe der Ranglisten f\u00fcr sie interessante Personen entdecken und rekrutieren. Der \u00dcbergang von der <strike>Schulzeit<\/strike> Lernzeit zum Berufsalltag ist fliessend. Das Questsystem kommt w\u00e4hrend dem ganzen Leben zum Einsatz, zuerst wird es eher als Questnehmer genutzt, sp\u00e4ter eher als Questgeber oder Experte.<\/p>\n<p>Insgesamt gibt es folgende <b>Rollen<\/b>: <\/p>\n<ul>\n<li><b>Questnehmer<\/b>: Meistern Quests <\/li>\n<li><b>Coaches<\/b>: Begleiten Questnehmer, geben Tipps, etc., sind typischerweise selbst auch Questnehmer, die auf gewissen Gebieten das Coaching-Recht haben. <\/li>\n<li><b>Lehrpersonen<\/b>: Unterrichten Questnehmer gegen Bezahlung. Questnehmer k\u00f6nnen sich Lehrpersonen beliebig aussuchen. Wer z.B. Klavier spielen lernen m\u00f6chte, geht vielleicht zu einer Klavierlehrerin. Es gibt keinerlei Vorgaben bez\u00fcglich der Didaktik. Passt dem Sch\u00fcler die Kombination Lehrperson\/Didaktik\/Preis nicht, w\u00e4hlt er eine andere Lehrperson. <\/li>\n<li><b>Koordinatoren<\/b>: Koordinieren besonders die Quests auf unteren Levels, treffen evtl. eine Vorselektion an Quests, Motivieren, liefern Ideen etc. Koordinatoren sind die einzigen von der Bildungsbeh\u00f6rde fest angestellten Personen. <\/li>\n<li><b>Experten<\/b>: Stufen neue Quests ein, bewerten die Erf\u00fcllung von Quests. Experte f\u00fcr ein gewisses Gebiet kann werden, wer in diesem Gebiet sowie in F\u00e4higkeiten wie eigenverantworliches Arbeiten eine gewisse Punktezahl erreicht. <\/li>\n<\/ul>\n<p>Man kann gleichzeitig auf einem Gebiet Questnehmer, auf einem anderen Coach und auf einem dritten Experte sein. Das Coaching z.B. k\u00f6nnte selbst auch wieder ein Quest sein.<\/p>\n<p>Vermutlich m\u00fcsste dem Questsystem eine \u201cAufw\u00e4rmphase\u201d vorgelagert werden, w\u00e4hrend denen Kinder die wesentlichsten Grundlagen lernen sowie ein Minimum an Eigenst\u00e4ndigkeit erlangen w\u00fcrden. Geeignet dazu erscheint mir z.B. ein Waldkindergarten resp. eine Waldschule, wo individuelles Lernen besonders gut m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p><b>Unterschiede im \u00dcberblick<\/b><\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><b>Herk\u00f6mmliches Bildungssystem<\/b><\/td>\n<td><b>Entwurf f\u00fcr k\u00fcnftiges Bildungssystem<\/b><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Unterrichtslektionen<\/td>\n<td>Quests<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Pr\u00fcfungen<\/td>\n<td>Erfolgreich gel\u00f6ste Quests<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Zeugnisse<\/td>\n<td>Punktelisten nach Kompetenzen und Inhalten<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Schuljahre<\/td>\n<td>Bildungslevels<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Klasse<\/td>\n<td>Gruppe<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Klassenzimmer<\/td>\n<td>Bildungszimmer beliebige Orte<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler<\/td>\n<td>Questnehmerinnen und -nehmer<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Lehrpersonen<\/td>\n<td>Koordinatoren, Experten, Coaches, Lehrpersonen<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Aufgabenhilfe, Nachhile<\/td>\n<td>Coaches<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Finanzbudget f\u00fcr SuS geht an Schule\u00a0\u00a0\u00a0<\/td>\n<td>Finanzbudget f\u00fcr SuS geht an SuS<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gegenw\u00e4rtig befinden wir uns im Umbruch von der Buch- zur ICT-Kultur. 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