{"id":799,"date":"2012-08-24T10:02:00","date_gmt":"2012-08-24T10:02:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nandostoecklin.ch\/die-neue-bildungskrise-blick-von-1982-in-die-zukunft\/"},"modified":"2013-12-14T13:03:32","modified_gmt":"2013-12-14T12:03:32","slug":"die-neue-bildungskrise-blick-von-1982","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nandostoecklin.spieldeinleben.ch\/?p=799","title":{"rendered":"&quot;Die neue Bildungskrise&quot;: Blick von 1982 in die Zukunft"},"content":{"rendered":"<div><a href=\"http:\/\/beat.doebe.li\/bibliothek\/img\/b00127.jpg\" imageanchor=\"1\"><img decoding=\"async\" border=\"0\" src=\"http:\/\/beat.doebe.li\/bibliothek\/img\/b00127.jpg\"><\/a><\/div>\n<p>Durch einen Tipp von <a href=\"http:\/\/doebe.li\/\">Beat D\u00f6beli<\/a> habe ich mir mal das Buch &#8220;Die neue Bildungskrise. Lernen im Computerzeitalter&#8221; vogekn\u00f6pft, verfasst im Jahr 1982 vom mittlerweile emeritierten Informatik-Professor <a href=\"http:\/\/www.haefner-k.de\/\">Klaus Haefner<\/a>. Das Buch ist auch 30 Jahre nach dem Erscheinen von Interesse. Haefner machte sich im Buch vor allem Gedanken, welche Auswirkungen die &#8220;Informatisierung&#8221; (heute w\u00fcrde er wohl von &#8220;Digitalisierung&#8221; sprechen) auf die Bildung haben werde. Er sah die Bedeutung der Bildung f\u00fcr die Aus\u00fcbung von Routinet\u00e4tigkeiten sinken (S. 17; S. 187) und als Konsequenz davon hielt er einen kompletten Umbau des Bildungssystems f\u00fcr notwendig.<\/p>\n<blockquote><p>\u00abDas Verh\u00e4ltnis der heutigen Sch\u00fcler und Studenten zur Informationstechnik entspricht dem des Analphabeten vor 300 Jahren: So wie dieser zuvor wusste, dass es B\u00fccher gab &#8211; die damals fast ausschliesslich von Gelehrten, Priestern, Milit\u00e4rs und Herrschern genutzt wurden, aber f\u00fcr ihn selbst unerreichbar waren -, so steht der mittlere B\u00fcrger der Industrienationen heute der Informationstechnik gegen\u00fcber: beeindruckt, besorgt, interessiert &#8211; aber letztlich unwissend.\u00bb (S. 18)<\/p><\/blockquote>\n<p>In der Beseitigung des digitalen Analphabetismus hat sich seither nur wenig getan, ja, wir sind weit entfernt von einem entsprechenden Konsens.<\/p>\n<p>&#8220;Lernen auf Vorrat&#8221; erachtet Haefner nicht mehr als sinnvoll, stattdessen seien Fragen wichtig wie &#8220;Wie orientiere ich mich?&#8221;, &#8220;Was kann ich \u00fcberhaupt brauchen?&#8221;, &#8220;Wann brauche ich was?&#8221; oder &#8220;Wie organisiere ich meine informationelle Welt?&#8221; (S. 204). Ja! Leider haben wir die letzten 30 Jahre vor\u00fcberziehen lassen, ohne die Bildung deutlich in diese Richtung zu lenken.<\/p>\n<blockquote><p>\u00abGeht es darum, Informationsverarbeitungsleistung anzubieten, so hat die Industrie gegen\u00fcber dem Bildungswesen den Vorteil einer schnellen und geschmeidigen Antilope gegen\u00fcber einem langsam voranschreitenden Flusspferd: W\u00e4hrend sie auf schnellem Kurs die technische Informatisierung der Gesellschaft vorantreibt, bewegt sich das Bildungswesen mit 600&#8217;000 Lehrern schweren Schrittes von Ref\u00f6rmchen zu Ref\u00f6rmchen, ohne die akute Gefahr bisher \u00fcberhaupt ernsthaft registriert zu haben. Hierbei entschuldigt es sich f\u00fcr seinen schweren Tritt mit der &#8220;Verantwortung f\u00fcr den gesamten Menschen, der gebildet werden muss&#8221;, ohne aber explizit darzustellen, welcher Anteil der vermittelten Qualifikationen durch das Angebot der informationstechnischen Industrie obsolet ist und welcher Anteil weiterhin zentral bleibt.\u00bb (S. 207)<\/p><\/blockquote>\n<p>Wurde die Gefahr mittlerweile erkannt? Von vielen im Bildungswesen besch\u00e4ftigen Personen wohl schon, aber offenbar nicht von den richtigen&#8230;<\/p>\n<p>In einer Tabelle listet Haefner typische Lernziele, die aufgrund &#8220;informationstechnischen L\u00f6sungen&#8221; irrelevant werden (S. 182):<\/p>\n<div><a href=\"http:\/\/www.nandostoecklin.ch\/wp-content\/uploads\/blogger\/-wRImeRGKAQs\/UDdMUOIcjCI\/AAAAAAAACDo\/YDxT529Yeyo\/s1600\/irrelevante_lernziele.jpg\" imageanchor=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" border=\"0\" height=\"195\" src=\"http:\/\/www.nandostoecklin.ch\/wp-content\/uploads\/blogger\/-wRImeRGKAQs\/UDdMUOIcjCI\/AAAAAAAACDo\/YDxT529Yeyo\/s400\/irrelevante_lernziele.jpg\" width=\"400\"><\/a><\/div>\n<p>Zumindest der letzte Punkt scheint aus heutiger Sicht etwas gewagt. Haefner begr\u00fcndet ihn wie folgt:<\/p>\n<blockquote><p>\u00abText- und Sprachverarbeitung werden im n\u00e4chsten Jahrzehnt einen drastischen Einbruch in die Nutzung des &#8211; geschichtlich jungen &#8211; Kunstprodukts &#8220;geschriebene Sprache&#8221; bringen; diese wird an vielen Stellen wieder durch das gesprochene Wort ersetzt werden. Damit aber wird die Bedeutung des Lernziels &#8220;Richtig-schreiben-K\u00f6nnen&#8221; zur\u00fcckgehen [&#8230;].\u00bb (S. 211)<\/p><\/blockquote>\n<p>\u00a0Weitere Zitate aus dem Buch findet sich in Beat D\u00f6belis <a href=\"http:\/\/beat.doebe.li\/bibliothek\/b00127.html\">Biblionetz<\/a>. <\/p>\n<p>(Die angegebenen Seitenzahlen beziehen sich auf die Buch-Ausgabe von 1985 bei Rowohlt, das Original erschien 1982 bei Birkh\u00e4user.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Durch einen Tipp von Beat D\u00f6beli habe ich mir mal das Buch &#8220;Die neue Bildungskrise. 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