{"id":797,"date":"2012-08-27T07:30:00","date_gmt":"2012-08-27T07:30:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nandostoecklin.ch\/von-der-schule-in-den-kindergarten\/"},"modified":"2012-08-27T07:30:00","modified_gmt":"2012-08-27T07:30:00","slug":"von-der-schule-in-den-kindergarten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nandostoecklin.spieldeinleben.ch\/?p=797","title":{"rendered":"Von der Schule in den Kindergarten"},"content":{"rendered":"<p>Nach 8 Jahren als Klassenlehrerin an der Unterstufe habe ich mich entschieden, Erfahrungen im Kindergarten zu sammeln. Nicht weil mir die Begeisterung abhanden gekommen w\u00e4re, nochmals neue Erstkl\u00e4ssler auf ihrer Lernreise in die Welt der Zahlen und Buchstaben zu begleiten. Auch nicht, weil mir die Unterst\u00fctzung seitens der Eltern, des Kollegiums oder der Schulleitung gefehlt h\u00e4tte. Sondern weil die Rahmenbedingungen an der heutigen Schule im Kanton Aargau, gerade auch mit der Einf\u00fchrung der neuen Promotionsverordnung, mich immer mehr einengten und zuviel  Freiraum nahmen, meinen Unterricht kreativ und ganzheitlich zu gestalten. Zu schnell werden die Erstkl\u00e4ssler vom einseitigen Leistungsdruck \u00fcberrollt.<br \/> Ein zweimonatiger Aufenthalt in einem Waldorfkindergarten im Reservat der Lakota-Indianer liess meinen Wunsch wachsen, die Stufe zu wechseln. Gerne wollte ich einmal j\u00fcngere Kinder auf ihrer Forschungs- und Entdeckungsreise\u00a0 begleiten und hoffentlich noch etwas mehr Gestaltungsfreiraum haben.<br \/> Dieser Entschluss wurde sicher beschleunigt durch die sehr ung\u00fcnstigen Bedingungen mit meiner letzten Schulklasse, die mit 26 Kindern, darunter eines mit sehr starkem ADHS, auf kleinstem Raum lernen musste. Da war es mir einfach nicht mehr zufriedenstellend m\u00f6glich, den Kindern einen Lernraum zu geben, in dem sie ihre Potenziale, ihre Begabungen individuell entwickeln konnten. Es schien mir oft, dass meine Arbeit mehr einer &#8220;Massenabfertigung&#8221; gleich kam und pers\u00f6nliche Zuwendungen nur noch w\u00e4hrend der Pausen und Randzeiten stattfinden konnten. Sonst vermochte ich den Kindern gar nicht mehr richtig zuzuh\u00f6ren, es warteten ja immer noch viele weitere.<\/p>\n<p> Ich hatte mich mit den Jahren vermehrt bei manchen Lernzielen gefragt, wie relevant sie in der heutigen Gesellschaft \u00fcberhaupt noch sind. Ich versuchte, wohl aber noch zu wenig mutig und konsequent, eigene Wege zu gehen. So durften meine Sch\u00fcler w\u00f6chentlich f\u00fcr zwei Lektionen das Schulzimmer in den Wald verlegen und dort projektm\u00e4ssig arbeiten und dies bei jedem Wetter. Es war mir wichtig, durch Kreativit\u00e4t und Authentizit\u00e4t die Kinder zu st\u00e4rken und Verantwortung \u00fcbernehmen zu lassen. Ich griff immer wieder Themen auf, die von den Kindern in die Schule gebracht wurden und versuchte Lernsituationen mit dem Leben zu verkn\u00fcpfen, anstatt sie isoliert anzubieten. So legten wir beispielsweise auf Wunsch der Kinder einen kleinen Garten an. Doch sp\u00fcrte ich immer wieder meine Unzufriedenheit, weil ich kapitulieren musste, um Ruhe im Schulzimmer zu erhalten. Ich verstand sehr gut, warum  meist die Antwort ist, vermehrt frontal zu unterrichten und auf \u201ebew\u00e4hrtes\u201c Material zur\u00fcckzugreifen, anstatt neue Lernsettings entstehen zu lassen. Denn vor lauter neuer administrativer Anforderungen &#8211; die oftmals zu wenig nachhaltig sind und f\u00fcr die Unterrichtsqualit\u00e4t kaum gewinnbringend &#8211; Korrekturen, Belegen sammeln und Pr\u00fcfungen, fehlt zu h\u00e4ufig die Zeit f\u00fcr das Wesentliche, das Vorbereiten  und Eintauchen in neue Lerninhalte.<\/p>\n<p>Meine Ausbildung zur Naturp\u00e4dagogin und die anschliessende T\u00e4tigkeit im Wald hat mir neue Wege ge\u00f6ffnet und mir bewusst gemacht, was da alles schlummert und sich im Kind entfalten k\u00f6nnte. Das Miteinander mit Kindern, die voller Entdeckungsfreude, \u00a0Forschergeist und mit der Offenheit, von- und miteinander zu lernen in den Lernraum Wald aufbrechen, ist eine unglaublich tolle Chance, die leider noch viel zu  wenig genutzt wird.<\/p>\n<p>Ich lasse mich nun mit Neugierde auf die Arbeit im Kindergarten ein und freue mich, zu erfahren, was die Kinder vor der Primarschulzeit besch\u00e4ftigt und wie sie lernen. Das Leistungsrad dreht sich im Kindergarten noch langsamer und die Kinder sind freier in der selbstbestimmten Gestaltung ihres Lernweges. Ich hoffe, Erfahrungen  sammeln zu k\u00f6nnen, um mir eine klarere Vorstellung zu machen, wie eine Lernumgebung aussieht, welche potenzialorientierter f\u00f6rdert, eine Lernwelt, in der die Kinder selbstbestimmter lernen und in der ich kreativer und ganzheitlicher das Kind in seinen Lernprozessen begleiten und f\u00f6rdern kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach 8 Jahren als Klassenlehrerin an der Unterstufe habe ich mich entschieden, Erfahrungen im Kindergarten zu sammeln. Nicht weil mir die Begeisterung abhanden gekommen w\u00e4re, nochmals neue Erstkl\u00e4ssler auf ihrer Lernreise in die Welt der Zahlen und Buchstaben zu begleiten. 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