{"id":796,"date":"2012-08-28T10:17:00","date_gmt":"2012-08-28T10:17:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nandostoecklin.ch\/buchbesprechung-eduaction-wir-machen-schule\/"},"modified":"2012-08-28T10:17:00","modified_gmt":"2012-08-28T10:17:00","slug":"buchbesprechung-eduaction-wir-machen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nandostoecklin.spieldeinleben.ch\/?p=796","title":{"rendered":"Buchbesprechung: &quot;EduAction. Wir machen Schule.&quot;"},"content":{"rendered":"<div><a href=\"http:\/\/www.murmann-verlag.de\/sites\/default\/files\/imagecache\/buchdetailseite\/covers\/umschlag_eduaction_72dpi.jpg\" imageanchor=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" border=\"0\" height=\"320\" src=\"http:\/\/www.murmann-verlag.de\/sites\/default\/files\/imagecache\/buchdetailseite\/covers\/umschlag_eduaction_72dpi.jpg\" width=\"201\"><\/a><\/div>\n<p>In einer Zeit des gesellschaftlichen Wandels sind B\u00fccher \u00fcber neue Modelle und Ideen hocherw\u00fcnscht. Ganz besonders in der Bildung: Die meisten von uns haben ein \u00e4hnliches Bild von &#8220;Schule&#8221; in unseren K\u00f6pfen, umso spannender sind alternative Bilder. &#8220;EduAction&#8221; beschreibt ein solches alternatives Bild, ein Bild einer Schule in Berlin, der <a href=\"http:\/\/www.ev-schule-zentrum.de\/\">evangelischen Gemeinschaftsschule Berlin Zentrum<\/a> (esbz).<\/p>\n<p>Das selbstgew\u00e4hlte Lernziel der Berliner Schule lautet &#8220;Lebensunternehmer&#8221;. Entsprechend versucht sie sich von der \u00fcblichen Wissensvermittlung zu l\u00f6sen und stattdessen die Potentiale der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler und deren Kreativit\u00e4t gezielt zu f\u00f6rdern.<\/p>\n<blockquote><p>\u00abInnovationsgeist und Kreativit\u00e4t sind uns deshalb abhandengekommen, weil die meisten Menschen die Schule mit ihrem heimlichen Lehrplan der Anpassung 10, 12 oder 13 Jahre lang durchlaufen mussten. [&#8230;] Kreativit\u00e4t braucht Raum zum Scheitern ohne Beurteilung. Stattdessen herrscht im Schulsystem die totale Orientierung auf Leistung mit st\u00e4ndiger Bewertung.\u00bb (S. 23)<\/p><\/blockquote>\n<p>Die esbz will deshalb nicht dem &#8220;heimlichen Lehrplan: Tu das, was dir aufgetragen wird&#8221; (S. 23) folgen, sondern den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern Raum f\u00fcr die Umsetzung eigener Ideen bieten:<\/p>\n<blockquote><p>\u00abUnsere Gesellschaft braucht aber immer weniger Pflichterf\u00fcller. Sie braucht vielmehr kreative Gestalter, autonome Denker, Menschen mit Verantwortung und R\u00fcckgrat.\u00bb (S. 24)<\/p><\/blockquote>\n<p>Das Modell der esbz basiert auf &#8220;Lernen zu handeln&#8221;, &#8220;Lernen, Wissen zu erwerben&#8221; und &#8220;Lernen, zusammen zu leben&#8221;. &#8220;Zu handeln&#8221; versucht die esbz zu f\u00f6rdern, indem sie die SuS mit realen Projekten auseinandersetzen l\u00e4sst (s. dazu auch meinen k\u00fcrzlichen <a href=\"http:\/\/wiklin.blogspot.ch\/2012\/08\/aalto-camp-for-societal-innovation-2012.html\">Blog-Beitrag zu ACSI 2012<\/a>).<\/p>\n<blockquote><p>\u00abDie Lebenswirklichkeit ist pr\u00e4gender Lehrstoff. In den realen Erfahrungsr\u00e4umen wird Verantwortung \u00fcbernommen oder Indifferenz gelernt, hier wird Demokratief\u00e4higkeit einge\u00fcbt oder eine (Un-)Kultur des Wegsehens. Hier k\u00f6nnen sich Achtsamkeit und Ehrfurcht, der Mut zu Visionen und die Kraft des Herzens bilden, hier entscheidet sich, ob das Leben mutig gewagt wird.\u00bb (S. 39)<\/p><\/blockquote>\n<p>Konkret hat die esbz drei &#8220;verbindliche Formate f\u00fcr das Lernen im Leben&#8221; (S. 41) im Curriculum verankert:<\/p>\n<ul>\n<li><b>Projekt Verantwortung<\/b>:\u00a0 All SuS der 7. und 8. Klasse m\u00fcssen f\u00fcr ein Jahr eine verantwortungsvolle Aufgabe im Gemeinwesen suchen.<\/li>\n<li><b>Projekt Herausforderung<\/b>: Alle SuS der 8.-10. Klasse m\u00fcssen sich selbst eine Aufgabe suchen, die ausserhalb von Berlin innerhalb von 3 Wochen bew\u00e4ltigt werden muss. In der 11. Klasse m\u00fcssen alle mindestens f\u00fcr 3 Monate ins Ausland und sich dort im besten Fall f\u00fcr ein soziales oder \u00f6kologisches Projekt engagieren.<\/li>\n<li><b>Projektunterricht<\/b>: Die SuS der 7.-9. Klasse arbeiten an einem Tag \u00fcber mehrere Wochen an einem f\u00e4cher\u00fcbergreifenden Thema. Das Thema kann ausserhalb der Schule und mit externen Experten bearbeitet werden.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Weiter hat die esbz folgende Formate in ihre Schule integriert:<\/p>\n<ul>\n<li><b>Sprachbotschafter<\/b>: Die SuS unterst\u00fctzen durch <i>Peer Coaching <\/i>sozial benachteiligte Grundsch\u00fcler (kann im Rahmen des Projekts Verantwortung erfolgen).\u00a0<\/li>\n<li><b>Lernb\u00fcros<\/b>: Die SuS w\u00e4hlen jeden Vormittag aus, ob sie f\u00fcr eine Doppelstunde Mathe, Englisch, Deutsch oder Natur &#038; Gesallschaft belegen m\u00f6chten. Entsprechend ihrer Wahl gehen sie dann in eines der vier Lernb\u00fcros und erledigen einen Baustein aus einem Karteikasten. In den Lernb\u00fcros sitzt jeweils eine Lehrperson, die SuS m\u00fcssen bei Problemen jedoch zuerst Mitsch\u00fcler fragen. Die Lernfortschritte werden in einem Logbuch festgehalten.<\/li>\n<li><b>Lehrerfortbildungen durch SuS<\/b> <\/li>\n<\/ul>\n<p>Grunds\u00e4tzlich habe ich den Eindruck gewonnen, dass die esbz ihren Jugendlichen mehr zutraut als konventionelle Schulen. Die AutorInnen des Buches lassen eine Grundschullehrerin zu Wort kommen, die ebenfalls praxisorientierte Projektarbeiten in ihr Curriculum aufgenommen hat:<\/p>\n<blockquote><p>\u00abIch habe gelernt, dass ich den Kindern Vertrauen entgegenbringen muss. [&#8230;] Je mehr sie gemerkt haben, dass sie sich engagieren k\u00f6nnen, dass sie etwas bewirken k\u00f6nnen, umso mehr wollen sie das auch tun. [&#8230;] Das sind ganz starke Kinder geworden. [&#8230;] Sie haben gemerkt, dass sie ganz viel k\u00f6nnen und nicht nur Menschen sind, die man auf Noten reduzieren kann.\u00bb (S. 45)<\/p><\/blockquote>\n<p>Dass die esbz ihren Jugendlichen mehr zutraut, macht sich beispielsweise auch im Projekt Herausforderung bemerkbar. Jeder Jugendliche erh\u00e4lt f\u00fcr die drei Wochen lediglich 150 Euro f\u00fcr Unterkunft, Fahrkosten und Verpflegung, dh. die Jugendlichen m\u00fcssen selbst Wege finden, sich trotz des viel zu knappen Budgets durchzuschlagen, indem sie etwa f\u00fcr Unterkunft Arbeit suchen. <\/p>\n<p>Die Erkenntnis, dass man Verantwortung tragen nicht aus B\u00fcchern und moralischen Appellen lernen kann (S. 52) klingt simpel, in das herk\u00f6mmliche Schulsystem passt sie aber trotzdem nicht wirklich.<\/p>\n<p>Das Buch gibt eine F\u00fclle von praktischen Informationen, wie all diese Ans\u00e4tze in ganz normalen Schulen, unter Einhaltung aller Reglemente und Vorgaben, integriert werden k\u00f6nnen (wobei ich nur die wichtigsten erw\u00e4hnt habe). Die Verbreitung ihrer Elemente scheint den beiden AutorInnen (u.a. der Leiterin der esbz) ein wichtiges Anliegen zu sein. Beispielsweise bietet die esbz an, dass <a href=\"http:\/\/www.ev-schule-zentrum.de\/1363.0.html\">ihre Jugendlichen Lehrpersonen aus anderen Schulen einf\u00fchrt in ihr System<\/a>. F\u00fcr mich klingt das Ganze gut, schon fast zu gut. Immer wieder stellt sich die Frage, wo ein Lehrerkollegium einer Schule die Zeit und Energie hernehmen soll, nur schon um einen einzelnen esbz-Bausteine zu integrieren. Ein Teil der Antwort ist wohl, dass die Jugendlichen deutlich mehr Verantwortung \u00fcbernehmen sollen.<\/p>\n<p><i>Margret Rasfeld, Peter Spiegel: &#8220;<a href=\"http:\/\/www.murmann-verlag.de\/buch\/eduaction\">EduAction. Wir machen Schule<\/a>.&#8221;. Murmann Verlag, Hamburg,  2012. ISBN 978-3-86774-181-1<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einer Zeit des gesellschaftlichen Wandels sind B\u00fccher \u00fcber neue Modelle und Ideen hocherw\u00fcnscht. 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