{"id":790,"date":"2013-03-22T10:26:00","date_gmt":"2013-03-22T10:26:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nandostoecklin.ch\/muss-man-eigentlich-nix-mehr-wissen\/"},"modified":"2013-12-14T13:03:30","modified_gmt":"2013-12-14T12:03:30","slug":"muss-man-eigentlich-nix-mehr-wissen-hat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nandostoecklin.spieldeinleben.ch\/?p=790","title":{"rendered":"Muss man eigentlich nix mehr wissen?"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Muss man eigentlich nix mehr wissen?&#8221;, hat Christian Spannagel k\u00fcrzlich in seinem Blog <a href=\"http:\/\/cspannagel.wordpress.com\/2013\/03\/10\/muss-man-eigentlich-nix-mehr-wissen\/\">gefragt<\/a>. Weiter meint er:  <\/p>\n<blockquote><p>\u00abEin spannendes Thema, insbesondere weil einem immer wieder Statements der folgenden Form begegnen:<\/p>\n<ul>\n<li>Das gesamte Wissen der Menschheit steckt im Internet. Also braucht man vieles heute gar nicht mehr zu lernen, ich kann einfach eine Suchmaschine bedienen, wenn ich etwas wissen will. <\/li>\n<li>Wesentlich wichtiger sind \u201cSchl\u00fcsselqualifikationen\u201d oder \u201callgemeine Kompetenzen\u201d wie beispielsweise Sozialkompetenz und Methodenkompetenz.     <\/li>\n<li>Das bedeutet: Lernen in der Schule kann viel exemplarischer erfolgen als bislang. Es gen\u00fcgt, an ausgew\u00e4hlten Inhalten z. B. in Form von Projekten die wesentlichen allgemeinen Kompetenzen (im Sinne von \u201cWissensarbeit\u201d) auszubilden. Wenn ich gelernt habe, mir selbst Wissen anzueignen, dann kann ich das in anderen Bereichen sp\u00e4ter auch einfach selbst tun.\u00bb<\/li>\n<\/ul>\n<\/blockquote>\n<p>Im Nachgang zu seinem Blog-Beitrag entstanden an veschiedenen Orten spannende Diskussionen. Ein oft vertretener Standpunkt war, dass Vorwissen notwendig ist, um Informationen aus dem Internet verstehen zu k\u00f6nnen. Dh. es l\u00e4sst sich nur mit entsprechendem Vorwissen aus dem Internet lernen; in der Schule nur Methodenkompetenz und Sozialkompetenz zu f\u00f6rdern und keine &#8220;Inhalte&#8221; kann deshalb nicht funktionieren. Meine Fragen dazu:<\/p>\n<ol>\n<li>Kann man methodenkompetent und sozialkompetent sein, ohne etwas zu wissen (im Sinne vom deklarativen Wissen)? Vermutlich ist das Szenario, dass man im Internet unterwegs ist, ohne etwas zu wissen, sowieso rein hypothetisch.<\/li>\n<li>Kann das ben\u00f6tigte Vorwissen nicht auch mittels Internet erworben werden? <\/li>\n<\/ol>\n<p>Eine wesentliche Rolle d\u00fcrfte die Komplexit\u00e4t des Themas spielen. Das l\u00e4sst sich wie folgt illustrieren:<\/p>\n<div><a href=\"http:\/\/www.nandostoecklin.ch\/wp-content\/uploads\/blogger\/-MnEEfPvb_CY\/UUwhIgK7DnI\/AAAAAAAACH8\/YRY3D4TuaEs\/s1600\/wissensweg.png\" imageanchor=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" border=\"0\" height=\"384\" src=\"http:\/\/www.nandostoecklin.ch\/wp-content\/uploads\/blogger\/-MnEEfPvb_CY\/UUwhIgK7DnI\/AAAAAAAACH8\/YRY3D4TuaEs\/s640\/wissensweg.png\" width=\"640\"><\/a><\/div>\n<p>Ist der angestrebte Wissensstand nicht allzu weit weg von meinem aktuellen, resp. ist der Weg deutlich vor mir, kann ich das Ziel gut alleine erreichen, sprich, ich kann mir z.B. \u00fcber das Internet die notwendigen Informationen besorgen. Befinde ich mich weit weg vom angestrebten Wissensstand, drohe ich mich im Internet zu verlieren, ich h\u00fcpfe von einem unverst\u00e4ndlichen Begriff zum n\u00e4chsten und ich tue mich schwer, einen Weg durch dien Informationsdschungel zu finden.<\/p>\n<p>Was ben\u00f6tige ich also, um etwas zu lernen? Aufgrund meines aktuellen Forschungsthemas Gamification versuche ich mal die Parallele zu Spielen zu ziehen. Es gibt sehr einfache Spiele, deren Regeln und Mechanismen sich in sehr kurzer Zeit lernen lassen. Andere Spiel sind komplex. Wie gehen Spieldesigner besonders bei komplexeren Spielen vor?<\/p>\n<ol>\n<li><b>Onboarding:<\/b> Potentielle Spielerinnen und Spieler werden angelockt, z.B. indem sie einen ganz einfachen Quest l\u00f6sen und so schon die ersten Punkte und das erste Erfolgserlebnis erhalten. Allf\u00e4llige H\u00fcrden (z.B. sich zu registrieren), werden auf sp\u00e4ter verschoben.<\/li>\n<li><b>Vereinfachte Spielwelt:<\/b> Der Spieldesigner (als F\u00fchrer, der <strike>den Urwald<\/strike> die Spielwelt bestens kennt), rollt die M\u00f6glichkeiten der Spielwelt langsam aus, so dass die Funktionsweise der Spielwelt h\u00e4ppchenweise erlernt werden kann. Beispielsweise bei <a href=\"http:\/\/de.anno-online.com\/\">Anno Online<\/a> f\u00fchren Quests durch die Welt, in ersten Quests muss man eine Holzf\u00e4llerh\u00fctte bauen, dann ein Lagerhaus usw. Viele Geb\u00e4ude sind zu Beginn noch ausgeschaltet und lassen sich nicht bauen. Bei anderen Spielen wird der Schwierigkeitsgrad allm\u00e4hlich erh\u00f6ht, etwa bei Tetris nimmt das Tempo der fallenden Kl\u00f6tze zu. Anleitungen zu Spielen werden so obsolet und werden nur noch selten mitgeliefert.<\/li>\n<li><b>Komplette Spielwelt<\/b>: Erst mit der Zeit stehen alle Funktionen resp. der volle Schwierigkeitsgrad des Spiels zur Verf\u00fcgung.<\/li>\n<\/ol>\n<p>In der Schule ist das \u00e4hnlich:<\/p>\n<ol>\n<li><b>Onboarding:\u00a0<\/b> Engagierte Lehrpersonen versuchen die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler durch einen motivierenden Einstieg, z.B. einen physikalischen Versuch, in ein neues Thema einzuf\u00fchren.<\/li>\n<li><b>Vereinfachte Komplexit\u00e4t: <\/b>Die Lehrperson<b> <\/b>f\u00fchrt die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler durch ein Thema, erh\u00f6ht die Komplexit\u00e4t, geht in sinnvoller Reihenfolge von einem Schritt zum n\u00e4chsten, usw.<\/li>\n<li><b>Komplettes Thema:<\/b> Erst im geeigneten Moment l\u00e4sst die Lehrperson die SuS die ganze Komplexit\u00e4t des Themas (in sinnvollem Detailreichtum) erkennen.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Was davon kann das Internet leisten? Theoretisch alles. Ein Youtube-Film kann Interesse wecken f\u00fcr ein Thema. Eine didaktisch aufbereitete Website kann langsam durch ein Thema f\u00fchren (z.B. MOOCs, <a href=\"https:\/\/www.khanacademy.org\/\">Khan Academy<\/a>). Via Soziale Netzwerke kann man sich mit Personen vernetzen und austauschen, die sich mit dem selben Thema besch\u00e4ftigen und einen anderen Teil desselben Urwaldes kennen. Lehrpersonen als F\u00fchrer haben den Vorteil, dass sie den aktuellen Wissensstand ihrer Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler bestens kennen und darauf aufbauen k\u00f6nnen (zumindest auf einen durchschnittlichen Wissensstand der Klasse). Diese Funktion k\u00f6nnten z.B. Badges zumindest teilweise \u00fcbernehmen. Es gibt aber zwei Probleme:<\/p>\n<ol>\n<li>Vielfach fehlen die speziell aufbereiteten Inhalte. Wikipedia-Artikel beispielsweise sind oft recht kompliziert formuliert. Bei einfacheren Themen k\u00f6nnen sie zwar durchaus auch bei durchschnittlichem Vorwissen f\u00fcr das Lernen verwendet werden, f\u00fcr ein komplexeres Thema nur dann, wenn ein umfassendes Vorwissen vorhanden ist. Es gibt aber immer mehr solcher speziell aufbereiteten Inhalte (MOOCs, OER, etc.) im Internet.<\/li>\n<li>Vielleicht w\u00e4ren die f\u00fcr den n\u00e4chsten Lernschritt ben\u00f6tigten Informationen im Internet zwar vorhanden, aber mir fehlt die Kompetenz, diese Informationen zu finden.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Womit wir wieder zur\u00fcck am Ausgangspunkt w\u00e4ren: Sind die Schl\u00fcsselqualifikationen heutzutage doch wichtiger als das deklarative Wissen? <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Muss man eigentlich nix mehr wissen?&#8221;, hat Christian Spannagel k\u00fcrzlich in seinem Blog gefragt. 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