{"id":1835,"date":"2017-12-22T13:55:04","date_gmt":"2017-12-22T12:55:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nandostoecklin.ch\/?p=1835"},"modified":"2019-06-07T10:43:30","modified_gmt":"2019-06-07T09:43:30","slug":"4-gamificationarten-von-belohnung-zum-spiel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nandostoecklin.spieldeinleben.ch\/?p=1835","title":{"rendered":"4 Gamificationarten &#8211; von Belohnung zum Spiel"},"content":{"rendered":"<p>Als Teil meiner Dissertation entstand ein Gamification-Framework, bestehend aus vier unterschiedlichen Gamificationarten. Das Framework ist angelehnt an die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Selbstbestimmungstheorie\">Selbstbestimmungstheorie von Deci\/Ryan<\/a>, genauer an die <em>Organismic Integration Theory<\/em>, eine Subtheorie der Selbstbestimmungstheorie. Diese teilt Motivationsarten auf einer Skala von amotiviert \u00fcber mehrere extrinsische Stufen bis hin zur intrinsischen Motivation ein:<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1836\" src=\"http:\/\/www.nandostoecklin.ch\/wp-content\/uploads\/sdt.png\" alt=\"Selbstbestimmungstheorie nach Richard Ryan und Edward Deci (Organismic Integration Theory)\" width=\"720\" height=\"186\"><\/p>\n<p>Hier die daraus abgeleiteten Gamificationarten:<\/p>\n<p><strong>1) Belohnungs-Gamification:<\/strong> Es werden besonders jene spieltypischen Elemente eingesetzt, die sich leicht von einem Spiel abspalten und in einen anderen Kontext \u00fcbertragen lassen: Punkte, Auszeichnungen (Badges) und andere Sammelobjekte. Diese Elemente versuchen Menschen durch Belohnungen zu einem bestimmten Verhalten zu motivieren. Diese Gamificationart wird h\u00e4ufig zur Kundenbindung eingesetzt. Beispielsweise erh\u00e4lt man in einem Shop eine Sammelkarte und bei jedem Kauf einen Eintrag. Sobald die Karte mit Eintr\u00e4gen voll ist, erh\u00e4lt die Kundin oder der Kunde eine Belohnung. Belohnungs-Gamification funktioniert besonders bei Routinet\u00e4tigkeiten gut, dort kann sie keine intrinsische Motivation unterwandern. Aus dem selben Grund ist sie f\u00fcr Probleml\u00f6set\u00e4tigkeiten schlecht geeignet.<\/p>\n<p><strong>2) Status-Gamification:<\/strong> Ebenfalls recht einfach designen lassen sich Motivationsanreize, die auf die Erh\u00f6hung des Status abzielen. Dabei k\u00f6nnen auch wieder Badges zum Einsatz gelangen, diesmal allerdings weniger als Belohnung, dh. diesmal steht die \u00f6ffentliche Pr\u00e4sentation der Badges im Vordergrund. Ranglisten oder ausgefeiltere Programme zur Erh\u00f6hung des Status (z.B. Vielfliegerprogramme von Fluggesellschaften) sind weitere M\u00f6glichkeiten, den Status gezielt zu erh\u00f6hen. Der erh\u00f6hte Status gilt nur im jeweiligen \u00d6kosystem. Fliegen Vielfliegende zwischendurch mit einer anderen Fluggesellschaft, k\u00f6nnen sie nicht von einem erh\u00f6hten Status profitieren.<\/p>\n<p><strong>3) Identifikations-Gamification:<\/strong> Die Identifikation mit einer Aktivit\u00e4t zu erh\u00f6hen ist vielfach deutlich aufw\u00e4ndiger als Belohnungs- oder Status-Gamification. Beispielsweise eine Storyline, bei der die Nutzenden Teil der Story sind und als solche Aufgaben zu bew\u00e4ltigen haben, kann die Nutzenden emotional st\u00e4rker aktivieren und so f\u00fcr den Sinn einer Aufgabe sensibilisieren. Auch Visualisierungen oder Soundeffekte k\u00f6nnen einen Beitrag leisten, um die Identifikation mit Wichtigem (aus Sicht der Designer) zu erh\u00f6hen.<\/p>\n<p><strong>4) Selbstbestimmungs-Gamification:<\/strong> Selbstbestimmungs-Gamification versucht nicht, einzelne spieltypische Elemente zur Motivation zu nutzen, sondern ein Nicht-Spiel zum Spiel zu verwandeln. Wichtig dabei: Was ein Spiel ist, k\u00f6nnen ausschliesslich die Individuen f\u00fcr sich bestimmen. Es ist eine selbstgew\u00e4hlte Aktivit\u00e4t. Trotzdem kann von aussen Einfluss darauf genommen werden, indem entsprechende Rahmenbedingungen geschaffen werden. Es k\u00f6nnen Freir\u00e4ume geschaffen werden zur freien Wahl. Wollen Designer Nutzende zu einer bestimmten Aktivit\u00e4t verleiten, muss diese Aktivit\u00e4t so viel Spass bereiten, dass sie freiwillig gew\u00e4hlt wird. Ein bekanntes Beispiel ist eine Treppe zu einer Stockholmer U-Bahn-Station, die zu einem Piano umgebaut wurde, indem jede Treppenstufe beim Betreten einen bestimmten Ton abspielt. Durch diese Massnahme konnten viele Passanten von der Nutzung der Rolltreppe zur Nutzung der Treppe motiviert werden.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/2lXh2n0aPyw\" width=\"560\" height=\"315\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p>\n<p>Vielfach kommt eine Kombination dieser vier Arten zum Einsatz.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1838\" src=\"http:\/\/www.nandostoecklin.ch\/wp-content\/uploads\/gamification_framework.png\" alt=\"Gamification-Framework bestehend aus den vier Gamificationarten Belohnungs-Gamification, Status-Gamification, Identifikations-Gamification und Selbstbestimmungs-Gamification\" width=\"796\" height=\"379\"><\/p>\n<p>F\u00fcr mich stehen diese vier Gamificationarten in einer hierarchischen Abstufung, mit Selbstbestimmung-Gamification als h\u00f6chster Stufe. Erst diese Stufe setzt auf die Kraft des Spasses. Sie repr\u00e4sentiert das Spiel, das nicht nur die Reinform des Lernens darstellt, sondern optimal ist f\u00fcr eine gesunde, pers\u00f6nliche Entwicklung.&nbsp;<\/p>\n<p>Im Anschluss an meine Dissertation (die Verteidigung steht noch aus) besch\u00e4ftigt mich eine Folgefrage: <strong><a href=\"https:\/\/spieldeinleben.ch\">Wie l\u00e4sst sich das eigene Leben durch Selbstbestimmungs-Gamification zu einem Spiel umgestalten?<\/a> Wie f\u00fchlt sich das an? <a href=\"https:\/\/spieldeinleben.ch\/gluecklich-sein\/\">Wie kann ich dadurch ein zufriedenes, erf\u00fclltes Leben erreichen?<\/a> Unter anderem aus diesem Grund werde ich meine Anstellung per 1. M\u00e4rz 2018 auf 50% reduzieren. Die so frei gewordenen Tage nutze ich als Experimentierraum. Als erste Aktivit\u00e4t organisiere ich einen <a href=\"https:\/\/spieldeinlebenkongress.ch\/\">Online-Kongress genau zu diesem Thema: Spiel dein Leben<\/a>.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Teil meiner Dissertation entstand ein Gamification-Framework, bestehend aus vier unterschiedlichen Gamificationarten. Das Framework ist angelehnt an die Selbstbestimmungstheorie von Deci\/Ryan, genauer an die Organismic Integration Theory, eine Subtheorie der Selbstbestimmungstheorie. 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