{"id":1155,"date":"2014-04-15T10:51:15","date_gmt":"2014-04-15T09:51:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nandostoecklin.ch\/?p=1155"},"modified":"2016-04-21T13:26:11","modified_gmt":"2016-04-21T12:26:11","slug":"gamification-erkenntnisse-nach-der-zweiten-erprobung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nandostoecklin.spieldeinleben.ch\/?p=1155","title":{"rendered":"Gamification: Erkenntnisse nach der zweiten Erprobung"},"content":{"rendered":"<p>Vor einiger Zeit habe ich die <a href=\"http:\/\/www.nandostoecklin.ch\/2014\/01\/gamification-erste-erfahrungen.html\">Erfahrungen aus der ersten Erprobung einer gamifizierten Unterrichtseinheit<\/a> geschildert. Inzwischen haben wir eine zweite Mathe-Unterrichtseinheit mit unserem selbst entwickelten Online-Dienst gamifiziert und in einer 8. Klasse w\u00e4hrend 4 Wochen erprobt. Zur Erinnerung: Es gibt drei Arten von Quests:<\/p>\n<ol>\n<li>Quests, die das System automatisch korrigieren kann.<\/li>\n<li>Quests, die durch <a href=\"http:\/\/learningapps.org\/\">LearningApps.org<\/a> bewertet werden.<\/li>\n<li>Quests, die von der Lehrperson manuell bewertet werden.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Obwohl also nur ein Teil der Quests von der Lehrperson bewertet werden muss, f\u00fchrte das bei ersten Erprobung trotzdem dazu, dass der Lehrer w\u00e4hrend den Lektionen gr\u00f6sstenteils mit Korrigieren der Quests besch\u00e4ftigt war. Diese negative Auswirkung des gamifizierten Systems versuchten wir bei der zweiten Erprobung zu minimieren, indem der Entwickler Nico Steinbach dem Online-Dienst eine neue Funktion spendierte, dank der die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler ihre L\u00f6sung nicht zwingend der Lehrperson zeigen m\u00fcssen, sondern sie sie im Online-Dienst als Volltext, Bild oder Video hinterlegen k\u00f6nnen. Diese \u00c4nderung brachte die gew\u00fcnschte Wirkung: Die Lehrerin der zweiten Erprobung konnte die Quests auch ausserhalb des Unterrichts bewerten und stand w\u00e4hrend den Lektionen prim\u00e4r als Coach zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p>Im \u00fcbrigen deckten sich die Erfahrungen der beiden Erprobungen ziemlich. Das Engagement der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler war hoch, die Pr\u00fcfungsresultate zum Schluss besser als gew\u00f6hnlich und der Unterricht war sch\u00fclerzentiert und selbstgesteuert. Die erste grobe Evaluation der zweiten gamifizierten Unterrichtseiheit zeigte lediglich zwei wesentliche Unterschiede im Vergleich zur ersten auf: Die langen Wartezeiten am Lehrerpult (um Quests bewerten zu lassen) wurden nicht mehr bem\u00e4ngelt. Dies l\u00e4sst sich gut durch die Funktionserweiterung erkl\u00e4ren. Noch nicht erkl\u00e4ren k\u00f6nnen wir uns, weshalb die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler der ersten Erprobung (9. Klasse) die \u00fcbergeordnete Storyline sehr gut bewertet hatten, w\u00e4hrend die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler der zweiten Erprobung dieselbe Storyline eher m\u00e4ssig gut bewerteten.<\/p>\n<p>Zusammengefasst hat der gamifizierende Online-Dienst folgende Funktionen \u00fcbernommen:<\/p>\n<ol>\n<li>Die Funktion des Lehrmittels: Die f\u00fcr die Unterrichtseinheiten ben\u00f6tigten \u00dcbungsaufgaben und Theorieteile wurden in eine \u00fcbergeordnete Storyline eingebettet, nach M\u00f6glichkeit spielerisch gestaltet und im System erfasst. Ein separates Lehrmittel wurde nicht mehr ben\u00f6tigt.<\/li>\n<li>Theorieinputs im Plenum: Die Lehrerin verzichtete vollst\u00e4ndig auf Theorieinputs im Plenum. Stattdessen unterst\u00fctzte sie einzelne Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler individuell nach Bedarf. Oft holten sich die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler ben\u00f6tigte Unterst\u00fctzung auch von ihren Klassenkameraden. Sie nutzten dazu vor allem die bei jeder Quest angezeigte Information, wer die Quest bereits gel\u00f6st hatte und holten sich bei einem dieser Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler gezielt Hilfe.<\/li>\n<li>Motivierung der Klasse: Die Klasse musste w\u00e4hrend den Lektionen zu keiner Zeit zum Arbeiten motiviert resp. angehalten werden. Einmal wies die Lehrerin darauf hin, dass sie keine festen Hausaufgaben erhalten, sie aber bis Ende Woche x XPs geholt haben sollten (was die meisten damals bereits erf\u00fcllt hatten). Nachdem bei der ersten Erprobung die ersten Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler nach zweieinhalb von f\u00fcnf Wochen bereits s\u00e4mtliche \u00fcber 50 Quests gel\u00f6st hatten, hatten wir die Anzahl f\u00fcr die zweite Erprobung auf \u00fcber 100 erh\u00f6ht, um eine breite Auswahl anbieten zu k\u00f6nnen. Doch auch diesmal hatte der erste Sch\u00fcler nach zweieinhalb Wochen s\u00e4mtliche Quests gel\u00f6st.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Daraus l\u00e4sst sich sicherlich noch keine allgemeing\u00fcltige Erkenntnis ableiten. Theorieinputs im Plenum k\u00f6nnen je nach Thema sicherlich auch mit dem gamifizierenden Online-Dienst sinnvoll sein. Und inwieweit der Online-Dienst auch noch motivierend wirkt, wenn die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler wiederholt damit gearbeitet haben, muss sich weisen.<\/p>\n<p>Wie geht es weiter? Wir haben ein Set von Funktions\u00e4nderungen und zus\u00e4tzlichen Funktionen definiert, die wir implementieren wollen. Z.B. versuchen wir zus\u00e4tzliche Anreize zu setzen, damit L\u00f6sungen nicht untereinander ausgetauscht werden (was wir nur selten beobachtet haben). Technisch entwickelt Nico Steinbach den Dienst nochmals komplett von Grund auf neu auf Basis einer Technologie, die f\u00fcr eine breitere Nutzung skaliert. Anschliessend erproben wir die \u00fcberarbeitete Version nochmals mit einigen Klassen und in unterschiedlichen F\u00e4chern, bevor wir den Online-Dienst zur freien Nutzung freigeben. Aufgrund der Neuentwicklung gibt es aber nun erstmals eine l\u00e4ngere Pause.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor einiger Zeit habe ich die Erfahrungen aus der ersten Erprobung einer gamifizierten Unterrichtseinheit geschildert. Inzwischen haben wir eine zweite Mathe-Unterrichtseinheit mit unserem selbst entwickelten Online-Dienst gamifiziert und in einer 8. Klasse w\u00e4hrend 4 Wochen erprobt. Zur Erinnerung: Es gibt drei Arten von Quests: Quests, die das System automatisch korrigieren kann. 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